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Patrizia Burra inszeniert Weiblichkeit als bewusste Setzung – präzise, kontrolliert und von stiller Intensität. Ihre Arbeiten wurzeln in der Mode- und Editorialfotografie, lösen sich jedoch von… weiterlesen
Vita Interview
Picasso sagte einst, „Du machst keine Kunst, du findest sie“. Wo findest du deine Kunst?
Ich finde meine Kunst im Spannungsfeld zwischen innerem Empfinden und visueller Form. Oft beginnt alles mit etwas Unfassbarem: einem Gefühl, einer Erinnerung, einer Stille, einer Spannung oder einem flüchtigen Bild. Ich suche nicht im Offensichtlichen – ich finde sie in Details, Atmosphären, Symbolen und in jenen unsichtbaren emotionalen Strömungen, die sich in Bilder übersetzen lassen.
Von der Idee bis zur Verwirklichung: Wie gehst du an deine Arbeiten heran?
Mein Ansatz ist zugleich intuitiv und präzise. Ein Bild beginnt oft als emotionale oder symbolische Idee, die ich schrittweise in ein visuelles Konzept überführe. Ich entwickle es über Recherche, Komposition und bewusste gestalterische Entscheidungen weiter. Der Prozess ist ein Dialog zwischen Instinkt und Kontrolle, in dem sich die ursprüngliche Idee so lange verändert, bis sie ihre stimmigste Form gefunden hat.
Dein Lieblingsbuch?
Ich habe kein einzelnes Lieblingsbuch, sondern fühle mich generell zu Literatur hingezogen, die sich mit innerem Erleben, Symbolik und existenzieller Tiefe beschäftigt. Mich interessieren Texte, die psychologisch vielschichtig, visuell kraftvoll und gedanklich offen sind.
Mit welchem Künstler würdest du gerne Kaffee trinken und worüber würdet ihr sprechen?
Ich würde gerne Gregory Crewdson treffen. Mich würde interessieren, wie er Atmosphäre konstruiert, welche emotionale Kraft inszenierte Bilder entwickeln können und wie ein Foto eine ganze psychologische Welt andeuten kann. Ich bewundere seine Fähigkeit, Bilder zu schaffen, die filmisch, geheimnisvoll und von einer dichten Stille geprägt sind. Es wäre ein Gespräch über Licht, Narration, Einsamkeit und die verborgene Komplexität eines einzelnen Moments.
Wie kamst du zur Kunst?
Meine Verbindung zur Kunst war von Anfang an sehr unmittelbar – als natürliche Weise, die Welt wahrzunehmen und zu interpretieren. Mit der Zeit wurde die Fotografie zu der Sprache, mit der ich Gefühle, Vorstellungen und Fragen sichtbar machen konnte. Kunst war für mich nie nur ein Interesse, sondern eine Notwendigkeit.
Welche Menschen in deiner Umgebung beeinflussen dich?
Mich beeinflussen Menschen mit Tiefe, Sensibilität, Intelligenz und einer eigenständigen Sicht auf die Welt. Inspiration entsteht durch Künstler, persönliche Beziehungen oder Begegnungen, die eine leise, aber nachhaltige Spur hinterlassen. Besonders interessieren mich Menschen, die Wahrnehmung hinterfragen und neue emotionale Perspektiven eröffnen.
Stell dir vor, du hast eine Zeitmaschine. Wohin geht die Reise?
Ich würde dorthin reisen, wo Kunst die Kraft hatte, Realität zu verändern – in einen Moment, in dem Imagination noch radikal, visionär und transformativ war. Vielleicht in eine Avantgarde, vielleicht in einen Traum.
Deine größte Leidenschaft abseits der Kunst?
Mich interessiert alles, was hilft, emotionale Tiefe, menschliche Komplexität und Wahrnehmung zu verstehen: Denken, Atmosphäre, Psychologie, Schönheit, Symbolik und die unsichtbaren Dimensionen von Erfahrung. Alles, was eine Verbindung zwischen innerer und äußerer Welt schafft.
Woran arbeitest du zurzeit?
Derzeit entwickle ich Arbeiten weiter, die sich mit Transformation, Symbolik und emotionaler Resonanz in der Fine-Art-Fotografie beschäftigen. Mich interessiert es, Bildwelten zu schaffen, die immersiv, präzise und vielschichtig sind – und gleichzeitig neue konzeptuelle und visuelle Räume zu erschließen. Mein Fokus liegt weiterhin auf poetischen Bildräumen, in denen Eleganz und Intensität zusammenkommen.