Ai Weiwei - Bilder, Werke und Fotografie

Ai Weiwei


Hintergrundinformationen zu Ai Weiwei

Einführung

Self-Portrait Embroidery 

Inspiriert von Andy Warhols Auseinandersetzung mit dem Selbstbild überführt Ai Weiwei dieses Prinzip in die Gegenwart – und stellt die Frage nach Identität im Zeitalter zwischen Realität und Virtualität. Self-Portrait Embroidery trägt diese Spannung bereits in seiner Oberfläche: Mit einer Stofflichkeit, die durch ihre pixelartige Anmutung an digitale Bilder erinnert. So wird das Selbstporträt zum Ort einer doppelten Übersetzung: vom Bild in das Material, vom Gestus des Widerstands in persönliche Präsenz.

Die Werkgruppe zeigt ihn nicht als Autor eines Symbols, sondern als dessen Träger: verletzlich und zugleich unbeugsam. Was zuvor Motiv des Widerstands war, wird ins Persönliche überführt – als Selbstporträt eines Künstlers, dessen Biografie untrennbar mit Haltung und Handschrift verbunden ist. Ausgangspunkt ist ein aus Spielzeugbausteinen gefertigtes Porträt, entstanden im Umfeld seiner Arbeiten zu politischer Gefangenschaft und Solidarität nach seiner 81-tägigen Haft. Die sichtbare Narbe verweist auf staatliche Gewalt im Zusammenhang mit seinen Recherchen zum Erdbeben in Sichuan, bei denen er die Namen von über 5.000 verstorbenen Schulkindern dokumentierte. In der Stickerei verdichtet sich dieser politische Kern formal wie inhaltlich: Rund 460.000 Stiche verleihen dem Selbstbildnis eine spürbare Materialität und neue Unmittelbarkeit. In variierenden Farbstimmungen markiert das Werk eine präzise Erweiterung seines Œuvres: Die politische Dimension bleibt, wird jedoch zu persönlicher Präsenz. Ein Porträt, das Widerstand nicht darstellt, sondern als Erfahrung in sich eingeschrieben hat.



Study of perspective 


In den 90er Jahren stach die Fotoserie eines noch relativ unbekannten chinesischen Künstlers der Öffentlichkeit ins Auge. Sie hieß Study of Perspective. Auf den Fotografien hielt der Künstler in subjektiver Perspektive seinen ausgestreckten Mittelfinger ins Bild und setzte die Geste dadurch in Bezug zu den im Hintergrund abgebildeten Symbolen der Macht wie beispielsweise dem Tian’anmen-Platz in Peking. Der zur Perspektivverschiebung genutzte Mittelfinger machte Ai Wei Wei schlagartig berühmt und hat seitdem viele Nachahmer gefunden. In Form einer in sechs Farben ausgeführten Glasskulptur, nimmt sein fotografisch-konzeptioneller Kunstgriff nun plastische Gestalt an. Die Skulpturen befreien sich durch ihre Materialität und Form durchaus aus dem angestammten Kontext, wenngleich das Zeichen als Zitat bestehen bleibt. Je nach Farbe setzt die Skulptur dabei neue Energien frei. Wie ein wandlungsfähiger Obelisk des Widerstands und der Freiheit erhebt sich die geballte Kraft der Geste aus dem Sockel und wird so zum Wahrzeichen der Opposition schlechthin.




The Papercut Portfolio 


In seiner Arbeit The Papercut Portfolio bringt der Künstler Ai Weiwei das Politische und das Private zusammen: Seine chinesische Heimat, die Kultur der USA, aber auch seine persönlichen Stationen als internationaler Künstler werden darin verarbeitet. In acht Werken inszeniert er Abschnitte seines Lebens und Schaffens. Seine New Yorker Zeit, als aus dem Maler Ai Weiwei der Konzeptkünstler wurde, der später Weltruhm erlangen sollte. Sein Protest gegen das politische Establishment in Peking in Form eines Mittelfingers. Der Holzturm, der sein Beitrag zur 12. Documenta in Kassel war. Die Reihe ist eine Miniatur-Werkschau der letzten 40 Jahre und eine Ansammlung kontroverser Botschaften, die das Schaffen des Künstlers seit jeher ausmachten. Sie ist vielfältig, modern und traditionell zugleich.
Mit der Technik schließt der Künstler an die chinesischen Scherenschnitte an, die in der Kultur des Landes eine große Bedeutung haben und auf eine lange Geschichte zurückblicken. Sie werden an Feier- und Festtagen aufgehangen, um Häuser zu schmücken und auf bedeutende historische Ereignisse hinzuweisen. Dabei werden Ornamente, Pflanzen, Tiere, aber auch mystische Personen und Theaterszenen dargestellt. Der Motivwahl sind keine Grenzen gesetzt. Nachgewiesen sind Scherenschnitte seit dem 4. Jahrhundert. Ai Weiwei zeigt mit diesen Arbeiten sein Verständnis für traditionelle Kunstproduktion in seiner Heimat China und zugleich sein untrügliches Gespür für Neuinterpretationen. Die Scherenschnitte schließen damit an vorherige Arbeiten an, die sich ebenfalls mit historischen Kulturgütern Chinas befassten, z.B. die 2000 Jahre alten Vasen aus der Han Dynastie, die der Künstler 2009 mit greller Farbe übermalte und somit auf radikale Weise modernisierte. Diese Vasen haben in The Papercut Portfolio, in den Werken Cats and Dogs und Map of China, sogar Gastauftritte.



Über den Künstler

Ai Weiwei gehört zu den Großen der zeitgenössischen Kunst. Seine Werke werden in international renommierten Museen ausgestellt und erregen großes mediales Interesse. Er ist zudem als Filmregisseur, Autor und Kurator tätig. Seinem gesamten Schaffen wohnt stets der kritische Dialog inne, er will mit seinen Arbeiten an gesellschaftliche Prozesse anschließen und eine Diskussion auslösen. In einer Installation auf dem Berliner Gendarmenmarkt verwendete er zahllose Rettungswesten, um auf die lebensgefährliche Mittelmeerüberquerung vieler afrikanischer Migranten aufmerksam zu machen. Jüngst veröffentlichte er einen eindrucksvollen Dokumentarfilm über den Ausbruch des Corona-Virus in der chinesischen Stadt Wuhan.

In den späten 70er Jahren studierte Ai Weiwei an der Pekinger Filmakademie und gründete eine Künstlergruppe, die sich gegen den staatlich kontrollierten Kulturbetrieb auflehnte und mit traditionellen Kunsttechniken experimentierte. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in den USA, währenddessen er sich mit neuen Kunstformen auseinandersetzte, kehrte er Anfang der 90er nach China zurück und engagierte sich zunehmend politisch. Von 2015 bis 2019 lebte und arbeitete er in Berlin.

Vita

1957geboren in Beijing, China
1978Studium an der Beijing Film Academy, Beijing, China
1979Mitbegründer der Avantgarde-Künstlergruppe The Stars, Beijing, China
1981Übersiedlung in die USA
1982Studium an der Parsons School of Design, New York, USA
1993Rückkehr nach China
1997Mitbegründer von China Art Archives & Warehouse, Beijing, China
2011Honorary Royal Academician, Royal Academy of Arts, London, UK
2013Appraisers Association of America Award for Excellence in the Arts
2015Ambassador of Conscience Award, Amnesty International
2018Marina Kellen French Outstanding Contributions to the Arts Award
2019Frank-Schirrmacher-Preis
2023Honorary Fellow, Downing College, University of Cambridge, UK

lebt und arbeitet in Portugal und im Vereinigten Königreich

Ausstellungen

2026Aftershock, MAXXI L’Aquila, Italien
Ai Weiwei, Nature Morte, New Delhi, Indien
2025Ai, Rebel: The Art and Activism of Ai Weiwei, Seattle Art Museum, Seattle, USA
Camouflage, Franklin D. Roosevelt Four Freedoms State Park, New York, USA
2024–2025Ai Weiwei. Don Quixote, MUSAC - Museo de Arte Contemporáneo de Castilla y León, León, Spanien
Ai Weiwei. Who am I?, Palazzo Fava, Bologna, Italien
2023Ai Weiwei: Making Sense, Design Museum, London, UK — erste Ausstellung des Künstlers mit explizitem Fokus auf Design.
2022In Search of Humanity, Albertina Modern, Wien, Österreich
2021Ai Weiwei, National Museum of Modern and Contemporary Art Korea, Seoul, Südkorea
Intertwine. Pequi Tree, Roots and Human Figures, Serralves Museum, Porto, Portugal
Rapture, Cordoaria Nacional, Lissabon, Portugal
Trace, Skirball Cultural Center, Los Angeles, USA
2020History of Bombs, Imperial War Museum, London, UK
Purgatory, Aedes Architecture Forum, Berlin, Deutschland
2019Everything is art. Everything is politics, K20/K21, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, Deutschland
Raiz, Centro Cultural Banco do Brasil, Belo Horizonte, Brasilien
2018Life Cycle, Marciano Art Foundation, Los Angeles, USA
Laundromat, Garage Gallery, Fire Station, Doha, Katar
2017Ai Weiwei. D’ailleurs c’est toujours les autres, Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne, Schweiz
On Porcelain, Sakıp Sabancı Museum, Istanbul, Türkei
Maybe, Maybe Not, Israel Museum, Jerusalem, Israel
Ai Weiwei: Soleil Levant, Kunsthal Charlottenborg, Kopenhagen, Dänemark
2016Ai Weiwei. translocation – transformation, 21er Haus, Wien, Österreich
Life Jacket Installation, Konzerthaus am Gendarmenmarkt, Berlin, Deutschland
2015Ai Weiwei, Royal Academy of Arts, London, UK
2014Evidence, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Deutschland
According to What?, Pérez Art Museum Miami, USA
2012Ai Weiwei – Interlacing, Kunsthaus Graz, Graz, Österreich
2011Circle of Animals / Zodiac Heads: Gold Series, Somerset House, London, UK
Dropping the Urn: Ceramic Works, 5000 BC–AD 2010, Victoria and Albert Museum, London, UK
Ai Weiwei in New York: Fotografien 1983–1993, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Deutschland
Ai Weiwei Absent, Taipei Fine Arts Museum, Taipei, Taiwan
2010So Sorry, Haus der Kunst, München, Deutschland
Sunflower Seeds, Tate Modern, London, UK
2009Ai Weiwei: According to What?, Mori Art Museum, Tokio, Japan
2008Under Construction, Sherman Contemporary Art Foundation / Campbelltown Arts Centre, Sydney, Australien
Go China: Ai Weiwei, Groninger Museum, Groningen, Niederlande
2004Ai Weiwei, Kunsthalle Bern, Bern, Schweiz
1988Old Shoes, Safe Sex, Art Waves Gallery, New York, USA

2025A Gap in the Clouds, The Heong Gallery, Downing College, Cambridge, UK
2024Pop Forever, Tom Wesselmann &…, Fondation Louis Vuitton, Paris, Frankreich
2021Legacies of Exchange: Chinese Contemporary Art from the Yuz Foundation, Resnick Pavilion, LACMA, Los Angeles, USA
Lovely Creatures, Ludwig Forum, Aachen, Deutschland
2020Curators’ Selection. Summer Exhibition 2020, Royal Academy of Arts, London, UK
Facing the Collector. The Sigg Collection of Contemporary Art from China, Castello di Rivoli Museo d’Arte Contemporanea, Turin, Italien
201821st Biennale of Sydney, Sydney, Australien
2017Extra Bodies – The Use of the “Other Body” in Contemporary Art, Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich, Schweiz
Art and China after 1989: Theater of the World, Solomon R. Guggenheim Museum, New York, USA
Yokohama Triennale 2017 – Islands, Constellations & Galapagos, Yokohama, Japan
Hansel & Gretel: Jacques Herzog, Pierre de Meuron, Ai Weiwei, Park Avenue Armory, New York, USA
2014Genius Loci – Spirit of Place, 14th Venice Architecture Biennale, Venedig, Italien
2013German Pavilion, 55th Venice Biennale, Venedig, Italien
2011MMK 1991–2011: 20 Jahre Gegenwart, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main, Deutschland
201029th São Paulo Biennial, São Paulo, Brasilien
People Meet in Architecture, 12th Venice Architecture Biennale, Venedig, Italien
2008Liverpool Biennial International 08: Made Up, Tate Liverpool, Liverpool, UK
Out There: Architecture Beyond Building, 11th Venice Architecture Biennale, Venedig, Italien
2007documenta 12, Kassel, Deutschland
We Are the Future, 2nd Moscow Biennale of Contemporary Art, Art Centre Winzavod, Moskau, Russland
2006Mahjong – Chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg, Kunsthalle Hamburg, Hamburg, Deutschland
Zones of Contact, 15th Biennale of Sydney, Sydney, Australien
Territorial. Ai Weiwei und Serge Spitzer, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main, Deutschland
Busan Biennale 2006, Busan Museum of Modern Art, Busan, Südkorea
2005The 2nd Guangzhou Triennial, Guangdong Museum of Art, Guangzhou, China
1st Montpellier Biennial of Chinese Contemporary Art, Montpellier, Frankreich
2004The 9th International Architecture Exhibition, Venice Architecture Biennale, Venedig, Italien
2002The 1st Guangzhou Triennial: Reinterpretation – A Decade of Experimental Chinese Art (1990–2000), Guangdong Museum of Art, Guangzhou, China
199948th Venice Biennale: dAPERTutto, Venedig, Italien
1996Begegnung mit China, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen, Deutschland
1993Chinese Contemporary Art – The Stars 15 Years, Tokyo Gallery, Tokio, Japan
1989The Stars: Ten Years, Hanart Gallery, Hongkong / Taipei
1987The Stars at Harvard: Chinese Dissident Art, Fairbank Center for East Asian Research, Harvard University, Cambridge, USA
1979The First Stars Exhibition, outside the National Art Museum of China, Peking, China

(Auswahl)