Einführung
Gerhard Richter, 1932 in Dresden geboren, gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart – und als Meister der stilistischen Vielfalt. Seit den 1960er-Jahren erneuert er sein Werk in stetigem Wandel: von fotorealistischen Gemälden über unscharfe Abbildungen bis zu großformatigen Rakelabstraktionen. Wo andere eine künstlerische Linie verfolgen, macht Richter die Vielgestaltigkeit selbst zum Prinzip.
Ein zentrales Thema zieht sich wie ein roter Faden durch sein Œuvre – und das über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahrzehnten hinweg: das Verhältnis von Fotografie und Malerei. Immer wieder untersucht Richter die Grenze zwischen dokumentarischer Abbildung und malerischer Transformation. Indem er fotografische Vorlagen malerisch übersetzt, verwischt er die Gewissheiten beider Medien – Realität erscheint in lyrischer Unschärfe, Abstraktion gewinnt gegenständliche Präsenz. Diese produktive Ambivalenz ist zum Markenzeichen seines Schaffens geworden.
Drei Werke markieren exemplarisch die Spannweite seines Werkes: Juno (1983), heute in der National Gallery of Australia ausgestellt, gilt als ein Schlüsselwerk seiner Abstraktion, in dem Schichtung und Farbgewalt seiner Rakeltechnik zum Tragen kommen. Abstraktes Bild (1984) erzielte bereits 1996 bei Sotheby’s einen außergewöhnlichen Auktionspreis – ein früher Hinweis auf Richters ungebrochene Strahlkraft auf dem internationalen Kunstmarkt. Küchenstuhl (1965) wiederum führt vor Augen, wie Richter alltägliche Gegenstände in das Spannungsfeld zwischen Fotografie und Malerei überführt und in zeitlose Kunst verwandelt.
Richters Werke sind längst zu kulturellen Bezugspunkten geworden – präsent in großen Museumssammlungen, gefeiert in Ausstellungen weltweit und fest verankert im Diskurs der Kunstgeschichte. Seine Fähigkeit, Gegensätze in produktive Spannung zu überführen, verleiht seinem Werk eine intellektuelle Tiefe, die stets mit sinnlicher Unmittelbarkeit einhergeht.
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Vita
Gerhard Richter wurde 1932 in Dresden geboren und lebt in Köln. Er studierte an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und später an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er ab 1971 auch als Professor lehrte. Richter gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart und ist bekannt für sein vielseitiges Werk zwischen Fotorealismus und Abstraktion. Seine Arbeiten werden weltweit in großen Museen und auf bedeutenden Ausstellungen wie der documenta und der Biennale di Venezia gezeigt und befinden sich in zahlreichen renommierten Sammlungen.
Auszeichnungen
1997 – Praemium Imperiale, Japan Art Association
1997 – Golden Lion, Venice Biennale
1994 – Wolf Prize in Arts
1986 – Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
1985 – Oskar-Kokoschka-Preis
Ausstellungen
2020 – Gerhard Richter: Painting After All, Metropolitan Museum of Art, New York City
2014 – Fondation Beyeler, Riehen
2011-12 – Panorama, Tate Modern, London; Neue Nationalgalerie, Berli
1997 – Venice Biennale, Venedig
1980 – Deutscher Pavillion, Venice Biennale, Venedig
1972 – Documenta 5, Kassel