Marianna Gefen - Bilder, Werke und Fotografie Marianna Gefen

Marianna Gefen


Hintergrundinformationen zu Marianna Gefen

Einführung

Marianna Gefen arbeitet mit unterschiedlichen Bleistiften, Kohlestiften, Tusche – und dem Aquarellkasten, den sie zu ihrem fünften Geburtstag geschenkt bekam. Was man auf ihrem Schreibtisch kaum findet, ist ein weißes Blatt.

Denn Gefen interessiert sich für Papier, das bereits eine Vergangenheit hat. Jedes Blatt war schon irgendwo, bevor es zu ihr kam: auf einem Flohmarkt in Spanien, in einem alten Schreibwarenladen, in einem Schulheft aus der DDR. Flecken, Notizen oder Spuren früherer Hände sind für sie keine Makel. Sie sind der Anfang.

Zwischen freier Kunst und Illustration hat Gefen eine Bildsprache entwickelt, die von dieser Offenheit für das Ungeplante lebt. Häufig entstehen mehrere Werke parallel, Schicht für Schicht. Jedes Material bringt seinen eigenen Charakter, seine Textur und seine Geschichte mit. Gefen beginnt mit einer Idee, ohne ihr Ende vorwegzunehmen. Sie bestimmt die Richtung, nicht das Ziel. Spontaneität, Zufall und selbst Fehler bekommen Raum, den Verlauf einer Arbeit zu verändern. Statt gegen das Unvorhergesehene anzukämpfen, macht sie es zum produktiven Teil ihrer Kunst. So entwickelt sich das Bild im Wechselspiel zwischen Entscheidung und Entdeckung.

Auch Inspiration erzwingt sie nicht. „Ich suche Inspiration nicht unbedingt. Ich sammle eher Eindrücke“, sagt die Künstlerin. Menschen, Landschaften, Farben, Oberflächen und beiläufige Situationen können lange im Gedächtnis bleiben, bevor sie an anderer Stelle wieder auftauchen. Dass Gefen an unterschiedlichen Orten gelebt hat und viel gereist ist, gehört deshalb selbstverständlich zu ihrem visuellen Denken. Erinnerung funktioniert bei ihr weniger wie ein geordnetes Archiv als wie eine Collage: Eindrücke überlagern sich, wechseln ihren Kontext und bilden neue Verbindungen.

Dass sie sich für Sophie Calle begeistert, deren Arbeiten die Grenzen zwischen Kunst und gelebter Wirklichkeit durchlässig werden lassen, erscheint vor diesem Hintergrund folgerichtig. Auch Gefens Kunst schöpft ihre Spannung aus der Nähe zum Leben. Menschen, Orte und alltägliche Beobachtungen werden nicht einfach abgebildet, sondern durch Erinnerung, Material und künstlerische Intuition hindurchgeführt.

Wie beweglich diese Bildsprache ist, zeigt auch Gefens internationale Arbeit für Auftraggeber wie Vogue Italia, The New York Times, The Washington Post, The Wall Street Journal, United Nations oder MIT. Zwischen Mode, Kultur, Gesellschaft und politischen Themen findet sie immer wieder neue Kontexte für ihre Handschrift. Freie Kunst und angewandte Illustration bilden dabei keine Gegensätze, sondern zwei Felder derselben Fähigkeit: genau hinzusehen und aus komplexen Eindrücken eine eigene visuelle Erzählung zu entwickeln.

Im Zentrum ihrer freien Arbeiten steht immer wieder das Antlitz der Frau. Nicht als klassisches Porträt oder möglichst genaue Wiedergabe einer individuellen Person, sondern als Präsenz, die über das Sichtbare hinausweist. Es erzählt nicht allein, wie jemand aussieht, sondern wie jemand da ist. Bei Gefen wird das Gesicht deshalb weniger zum Motiv als zum Ereignis.

Damit berührt ihre Arbeit zugleich eine Kunstgeschichte, in der weibliche Perspektiven lange an den Rand gedrängt wurden und heute neu gelesen werden. Katy Hessel hat mit The Story of Art without Men genau auf diese Leerstellen aufmerksam gemacht: auf Künstlerinnen nicht als Fußnoten einer bestehenden Erzählung, sondern als eigenständige Stimmen. Gefens Arbeiten setzen diesen Gedanken nicht programmatisch, sondern bildnerisch fort. Das Weibliche muss bei ihr weder erklärt noch erhöht werden, um Bedeutung zu gewinnen. Seine Präsenz genügt sich selbst.

Eine Haltung, die von ihren Pinselstrichen untermalt wird: auffallend sanft, manchmal beinahe beiläufig, und dennoch entschieden. Ihre Arbeiten behaupten ihre Eigenständigkeit als Einzelstücke – delikat und unverwechselbar, eines nach dem anderen.

So entsteht eine Kunst, die nicht versucht, jede Spur zu glätten oder jede Bedeutung festzuschreiben. Das Papier bringt seine Vergangenheit mit, Gefen fügt ihren Blick auf das Gegenwärtige hinzu. Aus beidem entsteht etwas, das weder im Material noch in der Vorstellung vollständig angelegt war. Ihre besondere Stärke liegt dabei nicht nur im Gestalten, sondern auch im Erkennen des Kunstvollen im Vorhandenen.  

Vita

Marianna Gefen ist eine in Berlin lebende Künstlerin und Illustratorin, deren Arbeiten Aquarell, Tusche, Collage und Mixed Media verbinden. Zwischen freier Kunst und Illustration entwickelt sie atmosphärische, vielschichtige Kompositionen, in denen Menschen, Orte, Erinnerungen und Beobachtungen des Alltags aufeinandertreffen.

Ihr künstlerischer Prozess ist intuitiv und stark vom Material geprägt. Gefen arbeitet häufig an mehreren Werken gleichzeitig und baut ihre Kompositionen Schicht für Schicht auf. Zufällige Spuren, Unregelmäßigkeiten und die Eigenheiten der unterschiedlichen Materialien werden dabei nicht verborgen, sondern bewusst Teil der Arbeit.

Dass Gefen an verschiedenen Orten gelebt hat und viel reist, prägt ihren Blick. Menschen, Landschaften, Farben, Texturen und beiläufige Situationen fließen als gesammelte Eindrücke in ihre Werke ein. Neben ihrer freien künstlerischen Praxis arbeitet sie international für renommierte Auftraggeber aus Editorial, Publishing, Kultur und Wirtschaft. Zu ihren Kunden und Kollaborationspartnern zählen unter anderem Vogue Italia, Vogue México, The New York Times, The Washington Post, The Wall Street Journal, die Vereinten Nationen, MIT, Condé Nast, Stern, Die Zeit, FAZ und GEO. Ihre Originalarbeiten werden international ausgestellt und gesammelt.

Interview

1. Picasso sagte einst: „Du machst keine Kunst, du findest sie“. Wo findest du deine Kunst?
Ich finde meine Kunst eigentlich überall im Alltag. Ich mag es, neugierig zu bleiben, Dinge auszuprobieren und mich immer wieder auf Neues einzulassen – Ausstellungen besuchen, reisen, neue Hobbys lernen, einfach Dinge machen, die ich noch nicht kenne. Ich glaube, wichtig ist, die Augen offen zu halten. Oft sind es ganz beiläufige Dinge – eine Farbe, eine Form, ein Stück Papier, eine Situation auf der Straße –, die mir im Kopf bleiben und irgendwann in meiner Arbeit wieder auftauchen. Ich suche Inspiration nicht unbedingt. Ich sammle eher Eindrücke.

2. Von der Idee bis zur Verwirklichung: Wie gehst du an deine Arbeiten heran?
Ich arbeite am liebsten ohne einen ganz festen Plan. Ich mag Spontaneität, Zufall und auch Fehler – genauso wie im echten Leben. Oft beginne ich mit einer Idee, lasse aber bewusst offen, wohin sie sich entwickelt. Ich arbeite intuitiv, probiere Dinge aus und schaue, was passiert. Manchmal entsteht etwas ganz anderes als ursprünglich gedacht – und genau das finde ich spannend. Für mich gehört dieses Überraschungsmoment zum kreativen Prozess dazu.

3. Dein Lieblingsbuch?
Ich bin eher Team Biografien, Künstlertagebücher und Psychologie. Mich interessieren echte Geschichten, echte Menschen und was in ihren Köpfen passiert. Ich mag die Wirklichkeit – die ist meistens interessant genug.

4. Mit welchem Künstler würdest du gerne Kaffee trinken und worüber würdet ihr sprechen?
Mit Sophie Calle. Ich liebe ihre Arbeiten, weil sie auf eine sehr besondere Art die Grenzen zwischen Kunst und dem echten Leben verschwimmen lässt. Sie nimmt alltägliche Situationen, persönliche Geschichten und menschliche Beziehungen und macht daraus Kunst – oft mit einer Mischung aus Neugier, Humor und einem gewissen Maß an Unberechenbarkeit.

5. Wie kamst du zur Kunst?
Eigentlich war es ein ziemlich natürlicher Prozess. Es war nie eine bewusste Entscheidung, es war einfach immer da. Mit der Zeit hat sich daraus mein Beruf und meine eigene künstlerische Sprache entwickelt. Irgendwie bin ich einfach immer weitergegangen.

6.Welche Menschen in deiner Umgebung beeinflussen dich?
Meine Familie und meine Freunde. Sie schaffen es eigentlich immer, aus einem schlechten Tag noch etwas Gutes zu machen. Sie bringen mich zum Lachen, halten mich auf dem Boden und geben mir gleichzeitig den nötigen Antrieb. Ich glaube, das beeinflusst auch meine Arbeit – gute Energie, Neugier und ein bisschen Leichtigkeit sind mir wichtig.

7. Stell dir vor, du hast eine Zeitmaschine. Wohin geht die Reise?
Unmögliche Entscheidung. Die 70er würden mich auf jeden Fall reizen – die Musik, die Mode, das Design, die ganze Atmosphäre. Ich würde wahrscheinlich einfach irgendwo in New York aussteigen und schauen, was passiert.

8. Deine größte Leidenschaft abseits der Kunst?
Reisen. Ich finde es fantastisch, neue Orte zu entdecken, mich treiben zu lassen und aus meinem gewohnten Umfeld herauszukommen. Ich liebe es, neue Menschen, Kulturen und Landschaften kennenzulernen – und meistens bringe ich neben Erinnerungen auch jede Menge neue Eindrücke und Ideen mit nach Hause.

9. Woran arbeitest du zurzeit?
Zurzeit habe ich mehrere Aufträge gleichzeitig auf dem Tisch – und genau das mag ich. Verschiedene Themen und Perspektiven parallel zu bearbeiten, hält mich wach und bringt Abwechslung in meinen Alltag. Für das Wall Street Journal beschäftige ich mich gerade damit, wie Reisen unsere mentale Gesundheit beeinflussen kann. Für die Vogue Italia illustriere ich die Fashion Week für die Septemberausgabe, und für eine Londoner Publikation arbeite ich an einer Illustration zu einem politischen Thema.











Melde dich jetzt an, um deine Wunschliste zu speichern.
Mit deiner Anmeldung stimmst du zu, dass wir deine Daten verwenden dürfen. Mehr Infos findest du in unserer Datenschutzerklärung.
Sieht aus, als wärst du nicht in deinem lokalen Shop
wechsel zu deiner lokalen Seite
so bekommst du passende preise, sprache und lieferoptionen