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Ein Präsentationsformat, das es so bislang nicht gab: Oben klassisch unter Acrylglas, unten als Multiphase – gefasst von einer schwarzen Aluminium-Artbox, die beide Bildwirkungen zu einer neuen Einheit verbindet.
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In Almir Reis’ Bildwelten folgt selbst der freie Fall einer präzisen Ordnung. Über leuchtenden Wasserflächen schweben Körper; Beckenränder, flache Dächer und Palmen gliedern den Raum. Der brasilianische Künstler verbindet die Beständigkeit architektonischer Formen mit der Flüchtigkeit menschlicher Bewegung. Im Bild kommen beide zur Ruhe, ohne dass die Spannung zwischen ihnen nachlässt.
Wasser, Architektur und Licht bilden die Grundlage seiner Werkgruppen „Swimming Pools“ und „Diving“. Wie stark dieses Zusammenspiel durch Farbe bestimmt wird, zeigen „Palm Springs Dream“ und „Poolside Silence“: Während Palmen, Berge und Bauten weitgehend in Schwarz, Weiß und Grau erscheinen, leuchten die Pools in Blau und Türkis. Das Wasser wird zum farblichen Zentrum einer ansonsten zurückgenommenen Welt. In „Palm Springs Dream“ führt das Raster der Fliesen den Blick in die Tiefe; in „Poolside Silence“ beleben Lichtreflexe die von geraden Beckenrändern gefasste Fläche. Die Architektur begrenzt das Wasser, nicht aber sein Lichtspiel.
Mit den Sprungmotiven kommt zur räumlichen Ordnung eine zeitliche Spannung hinzu. Gestreckte Arme, angezogene Beine und der Abstand zur Wasseroberfläche machen einen Bewegungsablauf sichtbar, den die Vorstellung unwillkürlich weiterführt. In „Dive – Couple“ stehen sich zwei springende Figuren in einer beinahe spiegelbildlichen Anordnung gegenüber. Ihre Körper fügen sich ebenso in die Komposition ein wie die horizontalen Sprungbretter und der flache Bau zwischen ihnen. Doch während die Architektur bestehen bleibt, müsste sich ihre Haltung im nächsten Moment verändern. Das Bild zeigt den Sprung, nicht seine Vollendung. Gerade dadurch bleibt die Erwartung des Eintauchens lebendig.
Die Grundlage dieser Bildsprache ist die Fine-Art-Fotografie, die Reis in neueren Arbeiten um die Malerei erweitert. In ausgewählten Werken greift er mit Acrylfarbe in das fotografische Bild ein. Zugleich entwickelt er seine Kompositionen durch neue Perspektiven, architektonische Elemente und technische Möglichkeiten weiter. Fotografischer Detailreichtum begegnet flächiger Reduktion: fein gezeichnete Wasserstrukturen stehen neben klar umrissenen Baukörpern und weiten, nahezu leeren Bildzonen. Die Szenen bleiben als Orte erkennbar und wirken doch wie sorgfältig komponierte Vorstellungen von ihnen. Zwischen dokumentarischer Anschaulichkeit und filmischer Anmutung entsteht eine Wirklichkeit mit eigener Ordnung.
In „Palm Springs Dream II“ setzt sich dieses Zusammenspiel der Medien bis in die Präsentationsform fort. Nicht nur im Werk treffen Fotografie und malerische Intervention aufeinander; auch die Edition verbindet zwei unterschiedliche Verfahren: Der obere Bildbereich wird unter Acrylglas kaschiert, während der untere als Multiphase ausgeführt ist. Das Wasser bewegt sich optisch mit dem Blickwinkel des Betrachters, sanfte Wellen scheinen sich über die Bildfläche fortzusetzen. So erhält Reis’ Verbindung von Fotografie und Malerei eine zusätzliche, räumlich erfahrbare Dimension.
Mit „Tribute to David Hockney“ benennt Reis eine künstlerische Referenz ausdrücklich. Eine Figur steht am Beckenrand, eine andere schwimmt unter der Wasseroberfläche. Der nach unten gerichtete Blick verbindet beide über die Grenze zwischen Luft und Wasser hinweg. Hier liegt die Bewegung nicht über dem Pool, sondern in seiner Tiefe. Das Thema bleibt verbunden: Körper, Wasser und Architektur bestimmen sich gegenseitig – durch ihre Position, ihre Abstände und die Blickrichtungen, die zwischen ihnen entstehen.
Die sommerliche Helligkeit dieser Bilder erschließt sich unmittelbar; ihre Spannung entfaltet sich im genaueren Hinsehen. Zwischen der festen Kante eines Beckens und den wechselnden Mustern des Wassers, zwischen einer ruhenden Architektur und einem Körper im Sprung bleibt etwas in Bewegung, das die Komposition nicht auflöst. Almir Reis gibt dem Augenblick eine klare Form, ohne ihm seine Unabgeschlossenheit zu nehmen.
VITA
Almir Reis ist ein brasilianischer bildender Künstler und lebt in Lissabon. Seit mehr als 26 Jahren widmet er sich der Fine-Art-Fotografie. In neueren Arbeiten erweitert er seine fotografische Praxis um die zeitgenössische Malerei und verbindet beide Medien durch malerische Eingriffe mit Acrylfarbe.
Seine Werke wurden unter anderem in der Fujiya Gallery in Tokio (2005), im Centro Cultural Borges in Buenos Aires (2007), im Espace Pierre Cardin in Paris (2010) und im Chácara do Céu Museum in Rio de Janeiro (2011) gezeigt. Weitere Stationen waren die Noto Gallery in Lissabon (2018) sowie das Kulturzentrum der brasilianischen Post in Rio de Janeiro, wo 2022 die Ausstellung „Almir Reis – 20 Years“ stattfand.
INTERVIEW
Picasso sagte einmal: „Kunst wird nicht gemacht, sondern gefunden.“ Wo findest du deine Kunst? In allem, was schön ist – Schönheit ist für mich eine Obsession. Alles, was das Auge erfreut, nährt für mich auch die Seele.
Von der Idee bis zur Umsetzung: Wie gehst du an deine Arbeit heran? Ich beschäftige mich zunächst mit Farbe und Harmonie. Ich glaube, dass mit dieser Kombination fast zwangsläufig ein visuell ansprechendes Werk entsteht.
Was ist dein Lieblingsbuch? Is This Art? von Will Gompertz ist mein Lieblingsbuch, weil es zeigt, dass es in der Kunst nicht nur darum geht, etwas Schönes zu schaffen, sondern auch darum, Ideen auszudrücken und die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Als Künstler finde ich das Buch inspirierend, weil es verschiedene Kunstströmungen erklärt und mir hilft zu verstehen, warum ungewöhnliche Kunstwerke bedeutungsvoll sein können. Außerdem ermutigt es mich, meine eigene Arbeit zu hinterfragen und mit neuen Ideen zu experimentieren.
Wie bist du zur Kunst gekommen? Ich war schon immer sehr empfänglich für Bilder, deshalb habe ich mich ganz von selbst in die Fotografie verliebt. Ich lebte in Rio de Janeiro, einer der schönsten Städte der Welt, die eine unglaubliche Fülle an Motiven zum Fotografieren bot. Später besuchte ich eine Kunstschule, um Malerei zu studieren und mein Wissen über Bilder und Kunst im Allgemeinen zu erweitern.
Welche Menschen in deinem Umfeld beeinflussen dich? Ich würde nicht sagen, dass mich unmittelbar mein Umfeld beeinflusst hat. Mich haben jedoch schon immer Kunstströmungen aus den 1920er- bis 1980er-Jahren fasziniert, etwa Bauhaus, Pop Art und Neoimpressionismus. Meine größte künstlerische Inspirationsquelle ist aber ohne Zweifel David Hockney.
Stell dir vor, du hättest eine Zeitmaschine. Wohin würdest du reisen? Nach Paris im 19. Jahrhundert, wo große Künstler dazu beitrugen, den Lauf der Kunstgeschichte für immer zu verändern. Ich liebe all die großen Meister dieser Epoche.
Was begeistert dich abseits der Kunst am meisten? Das Leben, die Kunst und die Menschen. Ich liebe es, Menschen kennenzulernen und ihre Lebensgeschichten zu erfahren.
Woran arbeitest du zurzeit? Zurzeit entwickle ich einen KI-basierten Podcast, in dem ich Meister der Kunst „interviewen“ kann – ein unterhaltsames, lehrreiches Projekt, das zum Nachdenken anregt. Außerdem generiere ich einige Bilder mit KI, die mir später als Vorlagen für eine neue, eigenständige Serie dienen sollen. Und natürlich schaffe ich immer wieder neue Poolbilder – nach meinen Fotografien von Rio de Janeiro vielleicht meine charakteristischsten Werke.
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