Daniel Richter - Bilder, Werke und Fotografie

Daniel Richter


Hintergrundinformationen zu Daniel Richter

Einführung

Daniel Richter zählt ohne Zweifel zu den bedeutendsten deutschen Künstlern seiner Generation. In den 1990er Jahren studierte er an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste bei Werner Büttner und arbeitete als Assistent für Albert Oehlen – beide Vertreter der sogenannten „Jungen Wilden“, die in den 1980er Jahren die Rückkehr zur Malerei propagierten.

Richter malte zunächst ausschließlich abstrakt, bevor er sich ab der Jahrtausendwende zunehmend figurativen Sujets zuwandte. Seine ästhetischen Einflüsse und Themen sind vielfältig. In seiner Malerei reflektiert er häufig das Zeitgeschehen und vermischt expressive mit informativen Elementen. Narrativ und zugleich rätselhaft erinnern seine Bildwelten zuweilen an Edvard Munch oder Francis Bacon und sind doch eindeutig in der Gegenwart verortet.
Er übersetzt die medialen Bilder unserer Zeit in epochale Kompositionen voll allegorischer Dichte und düsterer Spannung. Seine Gemälde lassen sich zuweilen als Reminiszenzen des Historienbildes deuten, die das Genre sowohl zeitgenössisch rekontextualisieren als auch dekonstruieren.

Ebenso wie seine großformatigen, monumental anmutenden Gemälde bestechen auch Richters Lithografien durch ihre fließenden Übergänge von Gegenständlichkeit und Abstraktion. Die Schemenhaftigkeit der Figuren und die Ambivalenz der Szene bewirken eine traumähnliche Stimmung, deren Uneindeutigkeit Raum für Assoziationen lässt.
Die häufig mit Daniel Richters Arbeiten in Verbindung gebrachte Ästhetik des Wärmebildes offenbart sich insbesondere bei dem Werk „Kaschmir“. Schattenhafte, tiefrote menschliche Gestalten – vielleicht sind es Soldaten mit Gewehren – überqueren eine Landschaft. In ihren Umrissen erkennen wir gelbe Linien – eine Art Aura, die an die Aufnahmen einer Infrarotkamera erinnern.

Es sind diese auf ambivalente Weise dramatischen Szenen, verortbar irgendwo zwischen Traum, Fabel und Zeitgeschehen, die Richters künstlerische Handschrift so unverkennbar machen. Durch Titel und Sujet subtil mit politischer Bedeutung aufgeladen, sind seine Bilder doch so diffus und enigmatisch, dass sie sich jeglicher linearer Interpretation entziehen und stattdessen gerade in ihrer Mehrdeutigkeit die Fantasie des Betrachters anregen.
Diese Werke haben die Eigenschaft, uns zu beunruhigen, auch wenn wir den Grund dafür meist nicht rational zu erfassen vermögen. Der Künstler spielt mit den medieninduzierten Bildern in den Köpfen der Betrachter; wir glauben, Vertrautes zu erkennen, doch ist dies zugleich verzerrt und fremd – geradezu unheimlich im Freud’schen Sinne.

Daniel Richter: Die Idylle kippt
Es gibt Bilder, die uns etwas zeigen. Und es gibt Bilder, die uns beim Zeigen zusehen lassen. Daniel Richter malt die zweite Art. Der 1962 in Eutin geborene Künstler, eine der prägenden Stimmen der deutschen Malerei seiner Generation, kam von der Abstraktion der neunziger Jahre zur Figur – ohne beides je zu trennen. Beide bleiben bei ihm in permanenter Verhandlung. Farbe ist der eigentliche Protagonist, auch wenn Körper auftauchen und aus Flächen Szenen werden.

Untitled (2026) legt dieses Prinzip mit einer beinahe klinischen Präzision offen. Zunächst begegnet uns eine Waldlichtung: fast impressionistisch, nahezu beruhigend. Man könnte sich täuschen lassen. Man soll sich täuschen lassen.

Eine rot gekleidete Gestalt nähert sich von links; im Zentrum ein nackter Mann, verdreht, die Beine über dem Kopf – eine Pose, die keine Kategorie duldet: nicht Akrobatik, nicht Groteske, nicht reine Intimität, sondern die Überlagerung aller drei. 

Der nackte Körper in der Natur, seit der Renaissance ein Codewort für Schönheit, Begehren, Unschuld. Richter verschiebt diesen Code. Der Körper ist männlich, seine Handlung auf sich selbst gerichtet. Damit wird nicht nur die Figur zum Gegenstand der Betrachtung, sondern auch unser eigener Blick. Der Voyeurismus beginnt nicht im Bild, sondern in dem Moment, in dem wir genauer hinsehen wollen.

Eine zweite Zeitachse entsteht dort, wo Malerei selbst zur Quelle wird: Schon in Halber Akt (2013) zeigte Richter einen masturbierenden Mann im Wald – eine Arbeit, die auf Werner Büttners Selbstbildnis im Kino onanierend (1980) verweist. 2026 kehrt das Motiv zurück, nun als Referenz auf das eigene Bildgedächtnis.

Auch formal bleibt nichts, wie es zu sein scheint: Der Wald ist Landschaft und Malerei zugleich, der Körper Figur und abstrakte Form. So zeigt das Bild nicht nur eine Szene, sondern wie Bedeutung aus Farbe, Figur und eingeübten Sehgewohnheiten entsteht. Die Idylle kippt – und plötzlich betrachten nicht nur wir das Bild. Das Bild führt uns beim Betrachten vor.

Vita

1962geboren in Lütjenburg, Deutschland
1991-1995Kunststudium bei Professor Werner Büttner an der Hochschule der Bildenden Künste Hamburg, Deutschland
arbeitete als Assistent für Albert Oehlen
2004-2006Professor für Malerei an der Universität der Künste, Berlin, Deutschland
Seit 2006Professur an der Akademie der Bildenden Künste, Wien, Österreich
Lebt und arbeitet in Berlin, Hamburg und Wien

Auszeichnungen

2009Kunstpreis Finkenwerder, Hamburg
2001Förderpreis für Junge Kunst, Schleswig-Holstein
1998Otto-Dix-Preisträger, Gera

Kollektionen

Deutsche Bank, Frankfurt, Deutschland
MoMA, New York City, USA
Sammlung der Bundesrepublik Deutschland, München, Deutschland
Kunsthalle zu Kiel, Kiel, Deutschland
Centre Pompidou, Paris, Frankreich
Hamburger Kunsthalle, Hamburg, Deutschland
Sammlung Olbricht, Berlin, Deutschland
Sammlung Falckenberg, Hamburg, Deutschland
Friedrich Christian Flick Collection, Berlin, Deutschland
Kunsthalle zu Kiel, Deutschland
Saatchi Gallery, London, UK
Sammlung Boros, Berlin, Deutschland

Ausstellungen

2026Funky Dimes, GRIMM, Amsterdam, Niederlande
2025TORF. Malerei zwischen Figuration und Abstraktion, Schloss Gottorf, Schleswig, Deutschland
2023Kunsthalle Tübingen, Tübingen, Deutschland
20222022 My Lunatic Neighbar, Space K, Seoul, Südkorea

Limbo, Ateneo Veneto, Venedig, Italien
2016Lonely Old Slogans, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, Dänemark; anschließend 21er Haus, Wien, und Camden Arts Centre, London
2015Hello, I Love You, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Frankfurt am Main, Deutschland
201110001 Nacht, Kestnergesellschaft, Hannover, Deutschland
20102010 The Black Saint and the Sinner Lady, Museum der Moderne Salzburg Rupertinum, Salzburg, Österreich
2009Daniel Richter, Essl Museum, Klosterneuburg, Österreich
2008A Major Survey, Denver Art Museum, Denver, USA
2007Daniel Richter, Hamburger Kunsthalle, Hamburg, Deutschland; anschließend Gemeentemuseum Den Haag und CAC Málaga
2006Huntergrund, Museum für Gegenwartskunst, Basel, Schweiz
2004Pink Flag – White Horse, The Power Plant, Toronto, Kanada; anschließend Vancouver und National Gallery of Canada, Ottawa
2003Hirn, Neuer Berliner Kunstverein, Berlin, Deutschland
2002Grünspan, K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, Deutschland
2001Billard um halb Zehn, Kunsthalle zu Kiel, Kiel, Deutschland
1998Organisierte Kriminalität, Contemporary Fine Arts, Berlin, Deutschland
1995Neue Bilder, Contemporary Fine Arts, Berlin, Deutschland

2026Krieg und Konfitüre – George Grosz × Daniel Richter, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm, Deutschland (Doppelausstellung)

In Celebration of Shadows, GRIMM, New York City, USA
2022something new, something old, something desired, Hamburger Kunsthalle, Hamburg, Deutschland
2020Radical Figures: Painting in the New Millennium, Whitechapel Gallery, London, UK
2019The Men Who Fell from Earth, EMMA – Espoo Museum of Modern Art, Espoo, Finnland
2018The World on Paper, PalaisPopulaire, Berlin, Deutschland
2016Viehof Collection, Deichtorhallen Hamburg, Hamburg, Deutschland
2014Infinite Jest / Unendlicher Spaß, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Frankfurt am Main, Deutschland
2012Pink Caviar: New Works in the Collection 2009–2011, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, Dänemark

ART AND PRESS, Martin-Gropius-Bau, Berlin / ZKM, Karlsruhe, Deutschland
2009Paint Made Flesh, Frist Center for the Visual Arts, Nashville; anschließend Phillips Collection, Washington, USA
2006Tokyo–Berlin / Berlin–Tokyo, Mori Art Museum, Tokio / Neue Nationalgalerie, Berlin
2005The Triumph of Painting, Saatchi Gallery, London, UK
2003Berlin–Moskau / Moskau–Berlin 1950–2000, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Deutschland
2002Preis der Nationalgalerie für junge Kunst, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin, Deutschland
1999German Open – Gegenwartskunst in Deutschland, Kunstmuseum Wolfsburg, Wolfsburg, Deutschland
1995Scharfer Blick, Bundeskunsthalle, Bonn, Deutschland
Melde dich jetzt an, um deine Wunschliste zu speichern.
Mit deiner Anmeldung stimmst du zu, dass wir deine Daten verwenden dürfen. Mehr Infos findest du in unserer Datenschutzerklärung.
Sieht aus, als wärst du nicht in deinem lokalen Shop
wechsel zu deiner lokalen Seite
so bekommst du passende preise, sprache und lieferoptionen