Rosen 102 von Kris Scholz

Rosen 102

1995 KSC06
Grösse:
60 x 50
Ausführung/Rahmung
Passepartoutrahmen Hamburg
Profilbreite 20 mm, Spessart-Eiche natur, 84 x 74 cm (Außenmaß) Auf Premium Papier (glänzend) ohne Kaschierung oder Rahmen, wird gerollt versendet.
Profilbreite 20 mm, Spessart-Eiche natur, 84 x 74 cm (Außenmaß)
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HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Blumenvasenskultpuren
 
Es scheint nicht mehr wirklich angemessen, wenn jemand jenseits der Fünfzig noch immer als Schüler tituliert wird - sei es auch nur das stets mit Respekt ausgesprochene Prädikat Becher-Schüle. Kris Scholz ist diese Schublade zu eng, er hat sich schon seit Beginn seiner Karriere gegen solche Kategorisierungen gestemmt. Nicht, dass es an unterschiedlichen Blickwinkeln in der Fotoklasse der Düsseldorfer Akademie gefehlt hätte, aber Bernd Becher, der nicht viel Worte machte, fand seine eigenen Mittel, durch Förderung oder Nichtbeachtung einzelner Positionen seine Ansicht zum Ausdruck zu bringen. Wer in seine Fußstapfen trat, hatte es zweifellos leichter als diejenigen, die öfter mal quer dachten. Dennoch ist die Vielfalt der Sichtweisen unter Bechers Schülern weitaus größer, als man gemeinhin denken möchte. Sie reicht von Künstlern wie Andreas Gursky, der vor allem das Massenhafte fokussiert und es in farbige Pixel aufsplittert, über Axel Hütte, der sich einem zeichenhaften Naturalismus verschrieben hat, bis hin zu Kris Scholz, der immer wieder mit Zitaten aus der Geschichte der Kunst spielt, um sie ins fast Hyperrealistische zu steigern.
So groß die Unterschiede sein mögen, alle „Düsseldorfer“ haben auch etwas, das sie verbindet: Die absolute Perfektion, die ultimative Schärfe und Feinkörnigkeit ihrer Aufnahmen.
 
Schräg und grell
In seinen Bildern von Blumenstillleben gelangt Kris Scholz zu einer atemberaubenden Plastizität. Er modelliert mit weichem Licht akribisch die Objekte, Vasen und Blüten, die in einem artifiziellen Dialog zu einer nahezu untrennbaren Einheit verschmelzen. So skurril und geschmacksresistent die Vasen teilweise sind, sie blühen unter der Beobachtung von Kris Scholz auf und bekommen das Flair von Skulpturen. Indem er es isoliert und monumentalisiert verleiht er dem vergänglichen Ensemble Dauerhaftigkeit. Sein ästhetisches Konzept beinhaltet selbstverständlich zunächst das Erfassen der für ihn optimalen Situation. Mal ist das der Kulminationspunkt zwischen Aufblühen und Verwelken, mal das offensichtliche Stadium des Verfalls. Die Fotografien werden damit zu einer besonderen Art von Momentaufnahmen, und ihre Perfektion erscheint fast bis ins Unerträgliche gesteigert. Scholz zwingt den Augenblick der absoluten Schönheit – entgegen allen Gesetzen der Natur – mithilfe der Fotografie zum Verweilen. In den Vasen (die jener über jede Diskussion erhabenen Anmut der Blüten in ihrem Design teilweise deutlich hinterherhinken) wird dabei ein deutlicher Anflug von Ironie spürbar. Im Wettkampf zwischen Natur und Mensch hat der Mensch mit seinen Reflexionen, seinen Konzepten und seiner Vernunft deutlich das Nachsehen.
Es geht dem Fotografen weniger um einen Illusionismus, wie ihn die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts kultivierte, sondern um die Übersteigerung des Realen, die zu einer neuen Wahrnehmung der Dinge führt. Damit überführt er die Natur in die Sphären des Künstlichen und weckt ganz neue Assoziationen, die über den vordergründigen Begriff „Blumenstillleben“ hinausgehen. Haben wir es in der Serie von Rose, Magnolie, Rotdorn und Amaryllis vielleicht viel eher mit einer Darstellung zum Beispiel der vier Temperamente zu tun? Die deutliche Anspielung auf die Malereigeschichte Europas, in der solch weiterreichende Symbolik Tradition hat, könnte dies nahe legen.
Wenn Kris Scholz isolierte Hochhäuser fotografiert, dann mag das auf den ersten Blick an die Reihen von Hochöfen und Fördertürmen Bernd und Hilla Bechers erinnern, aber es geht ihm keineswegs um Typologien, sondern um Designphänomene des Wirtschaftswunders. Es geht um das Komische, das Schräge dieser Nachkriegsarchitektur. Die Blumenvasen sind dazu frappierende Gegenstücke, in denen sich dieselbe Ästhetik wieder findet. Fotografie macht es wundersam möglich: das Kleine wird groß und das Große klein. Haus und Vase bekommen gleiche Dimensionen und beginnen auch sofort denselben Geist jener positivistischen Aufbruchszeit zu atmen, in der Kris Scholz seine Kindheit verbrachte, und die heute grotesk erscheint in ihrer oft liebenswürdigen Muffigkeit.
 
Lasst Blumen sprechen
Blumen finden sich auch noch andernorts im Werk von Kris Scholz. In der Serie verschiedener Rosen erzielt er die angestrebte, extrem naturferne Bildwirkung, indem er auf Farbkontraste setzt. Vor intensiv farbigen bis grell monochromen Flächen leuchten die gelben und rosaroten Blüten, als wollten sie mit den Hintergründen wetteifern, wer von beiden mehr an schreiender Künstlichkeit zu bieten hat. Es ist ein unentschiedenes Kräftemessen und zugleich ein Wechselspiel zwischen glatter Fläche und organischem Gebilde, bei dem sich die beiden Parteien gegenseitig noch zu steigern vermögen.
Ein solches Verhältnis von dominantem Hintergrund und eigentlichem Motiv findet sich auch bereits in den Porträtaufnahmen von Kris Scholz. Dort scheint die verwischte Szenerie auf Tempo, auf verstreichende Zeit zu deuten, während die Modelle davon unbeeindruckt in klassisch-starrer Renaissance-Pose verharren. In den Stillleben wird dieser ambivalente Effekt jedoch noch radikaler vor Augen geführt. Farben und Formen sind in puristischer Dekadenz verdichtet, und man muss seine Augen gewaltsam losreißen, will man nicht in ihren Bann geraten. Es ist die wohl archaische Lust am Kitsch, die hier mit einem unübersehbaren Augenzwinkern provoziert wird. Orientiert an altmodischen Gratulationskarten aus Italien, die für jeden denkbaren Anlass im Umlauf sind, lässt Scholz es richtig krachen, indem er die Motive aufbläst und aufeinander hetzt und ihnen eine Bedeutung verleiht, die zwangsläufig in eine wohlkalkulierte Brechung führt.  Paralysiert von der Übermacht der Bilder kann man sich ruhig wieder einmal die Frage stellen: Was ist Kitsch und wo beginnt er? Kris Scholz, daran besteht kein Zweifel, weiß die Antwort.
 
Dr. Boris von Brauchitsch
VITA
 
1952geboren in Hannover
1973-1975Universität zu Köln, Soziologie,
1979-1985Universität Düsseldorf, Promotion, Erziehungswissenschaften, Soziologie
1984-1990Staatliche Kunstakademie, Düsseldorf, bei Prof. Bernd Becher
seit 1989lehrt Fotografie und Medienkunst an internationalen Hochschulen wie Düsseldorf, Barcelona, Canterbury
lebt und arbeitet in Düsseldorf

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