Expressionismus in der Kunst erklärt

Wodurch zeichnet sich der sogenannte Expressionismus aus? Wann begannen Künstler expressionistisch zu malen? Was sind die Stilmerkmale dieser Kunstrichtung und was hat das alles mit der Kunstwelt heute zu tun? Erfahren Sie es im Artikel!


Inhalt – Expressionismus in der Kunst


Definition Expressionismus in der Kunst und Literatur

Vor allem im deutschen Sprachraum gibt es zwei große Strömungen in der Kunst und der Literatur, die als Expressionismus bezeichnet werden. Anfang des 20.Jahrhunderts lehnten sich Künstlerinnen und Schriftsteller*innen gegen die preußischen Ideale des Wilhelminismus auf. Mit Wilhelminismus ist die Regierungszeit von Kaiser Wilhelm II. zwischen 1888 und 1918 gemeint. Merkmale und Motive von jeweils Kunststil und Literatur sind:

  • Die Großstadt als Sujet
  • Deformation und Dekonstruktion
  • Betonung des Archaischen, Wilden, Hässlichen
  • Gleichzeitigkeit in der Darstellung von Ereignissen
  • Parodie und Verherrlichung des Banalen
  • Krieg, Zerfall, Angst und Weltuntergang als Themen

Berühmte Schriftsteller*innen und Dichter*innen dieser Periode sind zum Beispiel Gottfried Benn, Else Lasker-Schüler, Jakon von Hoddis. Auch markiert das Aufkommen des Films ein neues Zeitalter für künstlerischen Ausdruck. Filme wie Das Cabinet des Dr. Caligari (1920), Nosferatu (1922) oder Metropolis (1927) setzen sich mit Angst, Horror, Industrialisierung und Massenkultur auseinander. Tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen und das Trauma des Ersten Weltkriegs hinterlassen in dieser spannenden Epoche deutlich ihre Spuren.

Anfänge und Vorläufer des Expressionismus

Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Edvard Munch und Henri Toulouse-Lautrec gelten als Vorläufer des Expressionismus. Der Schrei (1890) von Edvard Munch gilt als erstes Gemälde dieses neuen Stils. Die Fauvisten um Henri Matisse aus Frankreich gelten ebenso als Vorexpressionisten. Die Unzufriedenheit mit dem bürgerlichen Naturalismus und der vermeintlichen Oberflächlichkeit des Impressionismus, der großen Stilrichtungen des ausgehenden 19.Jahrhunderts, bildeten neue Ausdrucksformen heraus. Innere Gefühlszustände sollten sichtbar gemacht werden mit wilden Farben und archaischen Formen. Einflüsse reichten von afrikanischen Masken bis zur Kunst Ozeaniens. Die zunehmende Urbanisierung und Technologisierung der Arbeits- und Lebenswelt trugen ebenfalls zu einer Vielzahl an Impulsen bei.

Merkmale des Expressionismus zwischen 1905 und 1914

Expressionismus bedeutet wörtlich Ausdruck. Die Künstler und Künstlerinnen probierten diese neuen Ausdrucksformen, die über eine reine Ästhetik wie die des Jugendstils oder eine Leichtigkeit des Impressionismus hinausgingen, zu finden. Es sollten Reaktionen in den Betrachtenden hervorgerufen werden und sich von einer realistischen Darstellung gelöst werden. In Deutschland war die Künstlervereinigung Die Brücke maßgebliche Triebfeder des Expressionismus. Die bekanntesten Vertreter waren Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller und Max Pechstein. Die Ausstellungsgruppe Der Blaue Reiter um Franz Marc, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter verbreiteten die neuen Auffassungen über Kunst weiter. Franz Marcs Werke mit den blauen Pferden oder gelben Hunden sind bis heute weltbekannt. Auch August Macke und Marianne von Werefkin sind berühmte Künstler des deutschen Expressionismus, die mit dem Blauen Reiter in Zusammenhang stehen.

  • Der Duktus, also der Pinselstrich bei expressionistischer Malerei ist dabei expressiv, kantig, abstrahiert und holzschnittartig.
  • Viele KünstlerInnen verwendeten ungemischte Farben, die sie direkt auf die Leinwand auftrugen. Sehr leuchtende Farben und bunte Bilder waren die Folge.
  • So hofften die Kunstschaffenden, ihre Gefühle wie Wut, Schmerz oder Angst unmittelbar wiedergeben zu können.
  • Das Motiv der Stadt und ihrer Bewohner kehrt immer wieder zurück.

Ende des Expressionismus, Abstrakter Expressionismus und Neoexpressionismus

Die Ernüchterung des ersten Weltkriegs markiert eine zeitliche Zäsur für den Expressionismus. Danach folgten Kunststile wie die Neue Sachlichkeit, Surrealismus Bilder und gegenstandslose Strömungen wie die Abstrakte Malerei. Wassily Kandinsky beispielsweise löste bald die Farbe von ihrem Darstellungswert und gab ihr einen Eigenwert. Abstrakte Kompositionen ohne Motive wie Städte, Menschen und Tiere entstanden. Diese Weiterführung der gegenstandslosen Kunst griffen amerikanische Künstler wie Mark Rothko und Jackson Pollock in der Mitte des 20.Jahrhunderts wieder auf. Der Prozess der Malerei an sich wird dabei immer wichtiger, nicht das Ergebnis. Rothko nannte seine großformatigen, meditativen Leinwände Farbfeldmalerei und Pollocks schnellen, ausdrucksstarken Farbspritzern sieht man ihre Action Painting – Technik an. Zusammengefasst nennt man diese Strömungen Abstrakter Expressionismus. Ab den 1960er Jahren griffen Künstler und Künstlerinnen dagegen die figürliche, aber immernoch expressive Malweise wieder auf. Der Neoexpressionismus war geboren. Bekannteste Vertreter sind unter anderem Georg Baselitz, Keith Haring und Jean-Michel Basquiat. So wirkt der Expressionismus bis heute nach.

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Zeitstrahl und wichtigste Expressionismus-Kunst

1890 Edvard Munchs Der Schrei gilt als erstes expressionistisches Kunstwerk.
07.06.1905 – 05.1913 Die Künstlergruppe Brücke wird in Dresden gegründet, später in Berlin aufgelöst. Gründungsmitglieder: Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff.
21.04.1910 Gründung Neue Secession von Georg Tappert und Max Pechstein. Bis 1914 sieben Ausstellungen in Berlin.
22.01.1909 Gründung der Neuen Künstlervereinigung München- N.K.V.M. Bedeutende ausstellende KünstlerInnen: Marianne von Werfekin, Pablo Picasso, Georges Braques, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter u.a.
1933 Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten gilt der Expressionismus als eine der entarteten Künste. Künstler und Künstlerinnen werden verfolgt, Gemälde aus den Museen entfernt, vernichtet oder ins Ausland verkauft. Der Verlust für die Nachwelt ist unermesslich.
ab ca.1950 USA: Abstrakter Expressionismus mit Farbfeldmalerei, Action Painting, Drip Painting u.a. Bezeichnungen in Europa: Informel, Art Brut, Tachismus. Der Expressionismus löst sich gänzlich von einer Gegenständlichkeit.
ab 1960er Jahre Neoexpressionismus. Rückkehr zur gegenständlichen Malerei, aber im expressionistischen Stil. Vertreter in Deutschland: Georg Baselitz, Eugen Schönebeck, Anselm Kiefer. Bezeichnungen u.a. Neue Wilde, Wild Style (Basquiat, Haring).