Guitare Noir - Thierry Noir
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11 x 8.8 cm
€ 39,00
LAMBDA FOTOGR. ABZUG , NR: TNO500,
KASCHIERUNG UNTER ACRYLGLAS (LUMASEC) (11 X 8.8 CM)
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BERLINS BUNTE KÖPFE
WAS VON DER BERLINER MAUER GUTES BLEIBT

Selten gab es einen Künstler, noch dazu einen zugereisten, der mit einer Stadt und ihrer Geschichte so verschmolzen ist wie der 1958 geborene Thierry Noir. Sein Schicksalsort wurde Westberlin. Der Franzose begann 1984 mit anderen Künstlern zusammen die Westseite der Berliner Mauer zu bemalen. Da die gesamte Grenzanlage der damaligen DDR gehörte, war es illegal, sich darauf künstlerisch zu betätigen. Dabei war der Malgrund genial vorbereitet: riesige Betonflächen, weiß grundiert, massenhaftes Publikum und Medieninteresse garantiert. Noir musste schnell arbeiten, die Betonpaneele zügig füllen, um nicht mitten in der Aktion von den Grenzposten verjagt oder erwischt zu werden.

Diese Zwänge prägten seinen Stil: Köpfe mit vollen Lippen im Profil, gefasst von einfach gehaltenen schwarzen Umrisslinien wie im Comic, flächig in starken Farbtönen ausgemalt. Ein Kopf passte auf eines oder zwei der hochformatigen Mauersegmente, nach kurzer Zeit trugen die von Noir bemalten Platten individuelle Gesichter. Die Berliner Mauer bestimmte Noirs Werk und Stil: Er lernte hier schnell und direkt eine Idee umzusetzen und das ganze vorhandene Format zu nutzen.

Die berühmte Berliner „East Side Gallery“ zeigt noch ein paar Meter seiner weitläufigen Malerei, der Rest wurde mitsamt den tonnenschweren Bildträgern zu Millionenbeträgen versteigert. Was bleibt ist der seit den 1980er Jahren anhaltende Ruf Berlins als Kunst- und Undergroundmetropole – Noir und seine Mitstreiter sind heute Teil davon.

Thierry Noirs Motive leben weiter. So wie der weltbekannte Graffiti-Künstler Keith Haring (1958-1990) hat es Noir geschafft, seine Kunst von der Mauer und Straße auf handlichere Formate zu übertragen und in die Galerien zu bringen. Sein Repertoire ist vielfältiger geworden, den prägnanten Stil hat er beibehalten. Die neu dazu gekommenen Figuren musizieren jetzt, tauschen sich aus, sind in Bewegung und bieten so ein Sinnbild für das neue, seit 20 Jahren vereinte Berlin, an dessen Freiheit und Ambiente Noir kräftig und mutig mitgewirkt hat. Selten hat ein so spontaner Künstler wie Thierry Noir soviel Kontinuität gezeigt und es geschafft, seine Schaffensfreude über die ihn prägenden historischen Umstände zu bewahren und noch zu steigern.

Horst Kloever

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