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Vis-à-Vis
Einen Star zu fotografieren, kann zur heiklen Sache werden. Oder es läuft wie von selbst. Es kommt darauf an, wer auf wen trifft! Robert Lebeck, der große deutsche Reportagefotograf, stand vielen Berühmtheiten aus Politik und Kultur gegenüber und porträtierte sie.
Beschwert hat sich, soweit wir wissen, niemand über seinen ganz eigenen Blick. Im Gegenteil. Alfred Hitchcock zum Beispiel nahm die Bitte Lebecks: „Herr Hitchcock, spielen Sie doch mal ein bisschen Herrn Hitchcock!“, gerne an, gab sich betont konspirativ und lugte wie ein britischer Spion aus einer Hamburger Barkasse. Romy Schneider, die von Lebeck mehrmals porträtiert wurde, war derart fotogen, dass die Bilder von sich aus zu strahlen begannen. Und Herbert Karajan war versunken in seinem Element, dass das Klicken des Verschlusses offenbar gar nicht wahrgenommen wurde.
Die Kontaktbögen, die damals zur Sichtung der Filme angefertigt wurden, geben uns heute ein Zeugnis davon, welche äußeren Bedingungen oder manchmal auch Unwägbarkeiten eine Porträtsitzung begleiteten. Freilich, nicht jeder Schuss konnte ein Treffer sein – das wäre des Guten zuviel! Wir sehen in den Kontaktbögen Robert Lebeck förmlich nachträglich bei der Arbeit zu. Und möglicherweise lernen wir dabei sogar etwas über das Porträtieren. Dass man zum Beispiel nichts erzwingen, sondern lediglich hervorlocken kann. Denn, auch wenn die Kamera den Job im Augenblick der Aufnahme von selbst erledigt, für den Flirt, die gewagte Aufforderung oder den nötigen Respekt, mit dem man seinem Gegenüber begegnet, bedarf es mehr als nur einen Knopfdruck. Porträtieren, das bedeutet, lebendig in Kontakt zu kommen!
Den Connaisseur und Liebhaber exklusiver Fotopapiere wird es zweifelsohne sehr erfreuen, dass wird diese originären Kontaktbögen auf edlem Baryt-Papier mit einem weit umfangreicheren und tieferen Schwarz-Weiß-Spektrum anbieten.
Stephan Reisner
Neugierig auf Welt
„Mir gefällt es, wenn meine Fotos groß gedruckt werden und das schafft nur, wer etwas Besonderes anzubieten hat.“ Betrachtet man das Werk von Robert Lebeck dann erscheint diese, scheinbar beiläufig in einem Interview getätigte Aussage über die eigenen Arbeiten keinesfalls übertrieben. Vielmehr wird dadurch der Kern des Oeuvres des Fotojournalisten deutlich: Der durchaus selbstkritische Anspruch jedem Motiv eine Einzigartigkeit zu verleihen. So ist es wenig verwunderlich, dass Lebeck gut 30 Jahre für den Stern in der ganzen Welt fotografierte und in den späten 70er Jahren Chefredakteur des Magazins Geo war.
Es ist zum einen das Gespür für den perfekten Moment der Aufnahme, das die Fotografien Lebecks von einer bloßen Berichterstattung unterscheiden. Zum anderen kommt in seinen Arbeiten stets der Charakter und das Eigenleben der Motive zum Ausdruck, was ihnen eine unbestechliche Präsenz verleiht. So lichtete Lebeck im Auftrag des Sterns die fernen und oft exotischen Länder nicht nur ab, er tauchte in die Motive ein, die der Zufall scheinbar so einzigartig vor seiner Kamera arrangierte.
Das alltägliche Bild von chinesischen Bauern etwa, die ihre Waren durch die Stadt Suzchou am Rande einer 2000 Kilometer langen Wasserstraße transportieren, wertet Lebeck zu einem unmittelbaren Stimmungsbild auf, dessen Faszination sich nicht auf den ersten Blick erklären lässt. So sind es nicht nur die malerischen 700 Jahre alten Brücken im trüben Nebel, die der Aufnahme eine beinahe außerweltliche Schönheit verleihen. Immer wieder gelingt es dem Fotografen die einzigartigen Momente in einem Spannungsfeld von Bewegung und Stillstand, von nuancierten Farbverläufen und der Körnigkeit des Films einzufangen und zu verewigen. Damit verleiht er seinen Arbeiten stets einen individuellen Ausdruck, der sie aus der Masse der allgegenwärtigen Bilderflut heraushebt.
Es ist jedoch nicht allein dieses Gespür für die ganz eigenen Qualitäten seiner Motive, das Lebecks Können ausmacht, er weiß auch um deren Bedeutung im politischen und gesellschaftlichen Zusammenhang. Somit war und ist Lebeck mit seinen Arbeiten auch immer ein Chronist bundesdeutscher Befindlichkeiten. Vor allem in seiner Funktion als Foto-Korrespondent des Sterns konnte Lebeck seinen individuellen Blick auf das Geschehen mit dem eigentlichen Motiv verbinden und somit viel mehr offenbaren als es eine reine Abbildung des Gesehenen vermag. Es ist dieser besondere Standpunkt seines Blickes auf die Welt und auf die eigene Geschichte, der in Lebecks Arbeiten lebendig wird. Die in der Serie Neugierig auf Welt wie auf einem Leuchttisch zusammengestellten Diapositive - inklusive ihrer Originalrahmen und Beschriftung - lassen diese einzigartigen Qualitäten seiner Fotografien in ihrer Essenz erfahrbar werden. Das Konzept dieser Serie wurde in Zusammenarbeit mit dem Fotografen eigens für LUMAS entwickelt und ist in dieser Form zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich.
Thematisch wurde die Serie nach Lebecks bisweilen recht eigenwilligen Entwürfen des Spannungsfelds zwischen Ost und West arrangiert, sei es jenes der beiden Deutschen Staaten oder dem der USA und UdSSR. Beim Betrachten des Ergebnisses lässt sich fassen, was das Werk des Fotografen heute so unverkennbar beseelt: Es atmet Zeitgeschichte. Es sind jedoch gleichermaßen Lebecks Künstlerporträts, die er oft in einer bestimmten Konstellation von Werk und Porträt konzipierte, wie auch das unermüdliche Erkunden und Visualisieren ferner Kulturen, die seinen breit gefächerten, fotografischen Blick jenseits der politischen Ebene offenbaren.
Mit der Serie Preußisch Blau erschloss sich für Lebeck, der sich Ende der 90er von seiner Arbeit als Foto-Korrespondent verabschiedete, ein ganz neues Feld der Fotografie. Mit einer Leica Digilux und den Möglichkeiten der digitalen Fotografie zeichnet Lebeck von seiner Geburtsstadt Berlin im Licht der Abenddämmerung ein ganz eigenwilliges Porträt. Auch in dieser Abstraktion lässt sich die ursprüngliche Qualität des Fotografen ohne Weiteres wieder finden: Das Gespür für den perfekten Augenblick der Aufnahme.
| 1929 | Geboren in Berlin, Deutschland |
| Ab 1952 | Arbeit als Fotoreporter, zunächst für verschiedene Heidelberger Zeitungen, später für Illustrierte wie Revue, Kristall und Stern |
| 1960 | Mit dem Foto eines jungen Afrikaners, der bei den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit des Kongo König Baudoins Degen stahl, und das um die Welt ging, wird er bekannt |
| 1977 bis 1978 | Mit Klaus Harpprecht Chefredakteur des Magazins GEO Ab 1979 Wieder Arbeit für den Stern |
| Seit 2001 | Wieder in seiner Geburtsstadt Berlin |
| 2007 | Verleihung des Henri-Nannen-Preis' für sein Lebenswerk im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg |
| 2009 | Umfangreiche Ausstellung seiner Fotos im Berliner Martin-Gropius-Bau, Berlin Lebt und arbeitet in Berlin, Deutschland |
Auszeichnungen (Auswahl)
| 2007 | Henri-Nannen-Preis für das Lebenswerk |
Ausstellungen (Auswahl)
| 2010 | Robert Lebeck - Fotografien, Focke- Museum, Bremen, Deutschland |
| 2009 | Robert Lebeck - Musik im Blut, Bode Galerie & Edition, Nürnberg, Deutschland |
| 2008 | Robert Lebeck. Fotografien 1955-2005, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Deutschland |
| Robert Lebeck - Neugierig auf Welt, Bode Galerie & Edition, Nürnberg, Deutschland | |
| 2004 | Unverschämtes Glück, Willy-Brandt-Haus, Berlin, Deutschland |
| 2001 | Kiosk. Eine Geschichte der Fotoreportage, Museum Ludwig, Köln, Deutschland |
| 1991 | Robert Lebeck - Fotoreportagen, Perpignan, Frankreich |
| 1983 | Augenzeuge Robert Lebeck - 30 Jahre Zeitgeschichte, Kiel, Deutschland |
| 1982 | Sammlung R.L. - Fotografie des 19. Jahrhunderts, Neue Nationalgalerie, Berlin, Deutschland |
| 1961 | Tokio-Moskau-Leopoldville, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, Deutschland |
LINKS
www.lebeck.de
Bücher/Kataloge (Auswahl)
Gisela Kayser und Cordula Lebeck (Hrsg.): Robert Lebeck. Fotografien 1955–2005. Steidl Verlag, Göttingen 2008
Robert Lebeck: Neugierig auf Welt. Erinnerungen eines Fotoreporters. Mit Harald Willenbrock, Steidl Verlag, Göttingen 2004
Robert Lebeck: Unverschämtes Glück, Steidl Verlag, Göttingen 2004
Robert Lebeck: Vis à Vis, Steidl Verlag, Göttingen 2000
Robert Lebeck: Fotoreportagen, Steinorth von Cantz Verlag, Stuttgart 1993
Robert Lebeck: Begegnungen mit Großen der Zeit, Schaffhausen u.a., Ed. Stemmle 1987
Robert Lebeck: Romy Schneider, Schaffhausen u.a., Ed. Stemmle 1986
Robert Lebeck und Heinrich Jaenicke: Augenzeuge Robert Lebeck, 30 Jahre Zeitgeschichte, Bucher 1984
Robert Lebeck: Afrika im Jahre Null. Eine Kristall-Reportage, Hamburg, Hammerich & Lesser 1961
























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