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  • Le Violon d’Ingres, 1924
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  • Hattie Carnegie wearing a Vionnet Dress, 1933
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  • Noire et Blanche, 1924
    Noire et Blanche, 1924
  • Tears, 1930
    Tears, 1930
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Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts stritt man in Amerika heftig über die Rolle der Fotografie. Man fragte sich, ob sie etwas anderes sei als nur ein technisches Hilfsmittel zur möglichst genauen Realitätsaufzeichnung. Die Fotografie genoss bis dato nur einen vorrangig wissenschaftlichen, aber noch keinen künstlerischen Zuspruch. Exakt zu diesem Zeitpunkt machte der 1921 nach Paris gezogene Man Ray bereits einen radikalen surrealistischen Gebrauch von ihr. Für Man Ray war das Medium der Fotografie schon sehr früh mehr als nur ein technisches Aufzeichnungsmittel, auch wenn er sie als solches zunächst kennen gelernt hatte. Er entdeckte in ihr ein vielschichtiges künstlerisches Ausdrucksmittel. Dazu muss man wissen, dass er ursprünglich Maler, Zeichner und Objektkünstler war und dies auch zeitlebens blieb, selbst wenn die Fotografie einen großen Stellenwert in seinem Werk einnimmt. Zusammen mit Marcel Duchamp war er noch in New York von der europäischen Avantgarde und ihren ultramodernen Darstellungstechniken fasziniert. In technischen Dingen bewandert und experimentierfreudig, arbeitete er damals mit einer Airbrush-Pistole und irritierte die New Yorker Kunstwelt mit Bildern, die bereits in keine Schublade mehr passten. Kein Geringerer als André Breton bezeichnete ihn kurz nach der Ankunft in Frankreich als einen Pre-Surrealisten. Einen größeren Adelsschlag konnte man vom Gründervater des Surrealismus nicht bekommen. Im Ursprung gar dadaistisch, löste sich Man Ray aber aus jeder zu einseitigen Rollenzuschreibung und erfand sich stattdessen lieber selbst. Zu seinen neuen künstlerischen Darstellungsformen gehörten die Rayographie, eine besondere Form der Fotogrammtechnik, sowie das fotografische Verfahren der Solarisation, das er in den 30er Jahren entwickelte und lange geheim hielt. Man Ray war und blieb seine eigene Kategorie. Ihm ging es stets um gattungsübergreifende Projekte. Er sah in dem Medium der Fotografie wie dem des Films großartige neue Ausdrucksmittel der Kunst. Die Impulse, die von seinem vielschichtigen, faszinierenden Werk ausgingen, befruchten noch heute viele Fotografen und Künstler. Es ist bezeichnend, dass insbesondere solche Modemagazine wie Haper`s Bazaar oder Vu seinerzeit schneller auf Man Ray aufmerksam wurden, als die in starren Kategorien verharrenden Kritiker einer traditionell bestimmten Kunstszene damals. In Paris wurde er regelmäßig als experimenteller Mode-Fotograf gebucht. Er wusste aber durchaus auch seriöse Porträts von Künstlern und Schriftstellern zu fertigen wie beispielsweise von Gertrude Stein, James Joyce oder Ernest Hemingway. Eine besondere Stellung innerhalb seines Oeuvres nehmen insbesondere jene fotografischen Kunstwerke ein, die nicht nur sich selbst, sondern ebenso zwei Frauen, die ihm wiederholt Modell standen, unsterblich machten: Kiki und Lee Miller. Die dunkelhaarige erotisch-sinnliche Kiki verwandelte Man Ray in Anspielung an ein Motiv von Ingres in eine weibliche Geige. Die blonde klassisch-strenge Lee Miller dagegen mehrfach in eine klassisch-formschöne Solarisations-Statue. Man darf nie vergessen: Die Bilder, die heute längst Klassiker der Moderne sind, trieben damals manchem Kunstkritiker die Röte ins Gesicht, sie waren ihrer Zeit weit voraus und nicht jeder begriff, welches Darstellungspotential in der Fotografie verborgen lag. Man Rays Sinn für innovative Bildraumgestaltung und surrealistische Objektanalogien fand insbesondere in jene Werken künstlerischen Ausdruck, in denen er dem Motiv des Kopfes kompositorisch begegnete und ihn geschickt im Bild isolierte und mit Masken oder anderen Kunstgegenständen kombinierte. Er trieb damit den Gegensatz des Künstlichen und Natürlichen spannungsgeladen auf die Spitze. Auch das Tränen-Bild Kikis ist weltberühmt. Es wirkt wie ein fotogener surrealistischer Reflex aus der Tiefe des menschlich Unbewussten, umgesetzt mit einfachsten technischen Mitteln, aber in grandios irritierender und absichtsvoller Künstlichkeit. Das Auge Kikis, das in Großaufnahme en détail zu sehen ist, verschmilzt mit den gläsernen Tränen und den künstlichen Wimpern zu etwas Drittem, das ganz für sich steht. Man muss es einfach so sagen: Man Rays Werke gehören zu den ganz großen Augenblicken und grandiosen Momentaufnahmen der ästhetischen Moderne.

Stephan Reisner

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