LAMBDA FOTOGR. ABZUG, NR: HUL64
(von unseren Kuratoren ausgewählt)
Motiv: 50 x 32.5 cm
- Selection
- Einführung
Der Glaube an eine humanisierende Macht der Fotografie, die Schicksale und Zustände dokumentieren und ins Bewusstsein von Verantwortlichen bringen kann, ist aus der Geschichte des Mediums nicht wegzudenken. Die Gründung der Farm Security Administration (FSA) war zweifellos aus dieser Sicht ein Kulminationspunkt. Die überwiegend jungen Fotografen, die engagiert wurden, um ab 1935 die Auswirkungen der Rezession auf die Landbevölkerung der USA festzuhalten, gehörten zu den besten des Landes. Der positive Ansatz der FSA führte allerdings letztlich dazu, dass Subventionen an die Großgrundbesitzer flossen, die, in Maschinen investiert, eine Überproduktion herbeiführten, mit der man die Kleinbauern endgültig zugrunde richtete. Da es sich um ein Regierungsprogramm handelte, sollten die Fotografien jedoch dazu dienen, eine positive Entwicklung zu dokumentieren. So offenbarte die FSA zusehends ihr wahres Gesicht als Werbekampagne der Regierung,, die gesunde, patriotische und optimistische Bauern zeigen sollte. Walker Evans (1903-1975), ein feinsinniger Literat und Fotograf, der sich als Künstler sah, stand zwar in den Diensten der FSA, wehrte sich aber entschieden gegen eine Vereinnahmung durch sie. Geboren in St. Louis, Missouri und aufgewachsen in Kenilworth, Illinois, arbeitete er zunächst in einer Bibliothek in New York. Mit 23 Jahren reiste er nach Paris und besuchte Literaturkurse an der Sorbonne. Nach seiner Arbeit für die FSA schrieb er für Time und wurde 1938 als erster Fotograf überhaupt mit einer Einzelausstellung im Museum of Modern Art geehrt. Für Forture gestaltete er über zwanzig Jahre lang Fotoessays mit eigenen Texten und 1965 folgte schließlich eine Berufung als Professor für Grafikdesign an die Yale University. Evans’ Bildband Let Us Now Praise Famous Men von 1941, in dem er anonymen, armen Farmerfamilien ein Denkmal setzte, schlägt ganz neue Wege im Bildjournalismus ein. Die Fotografien sind nicht weiter Textillustrationen, sondern stehen für sich im Glauben an ihre Präsenz und Aussagekraft. Mit großer Wucht sucht Walker Evans in nacktem Realismus die Konfrontation mit dem Betrachter. Diese Unmittelbarkeit ist es, die seine Fotografien von Menschen und Architekturen zu Meilensteinen der amerikanischen Fotogeschichte machte.




















