LAMBDA FOTOGR. ABZUG, NR: SWI75
Limitierte Auflagen – daher nur begrenzt verfügbar
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German Projections
Mit gleich drei neuen Motiven der Serie "German Projections" ist Sabine Wild vertreten. Die reisebesessene und immeraktive Künstlerin eroberte diesmal Frankfurt am Main mit drei gezielten Fotostichen ins urbane und geschichtliche Herz. Auf drei Topologien konzentrierte sie sich: Erstens auf das mittelalterliche Rathaus auf dem Römerberg, zweitens auf das himmelwärts aufstrebende Bankenviertel und drittens auf das ruhige Sachsenhausenerufer mit Blick auf den Main und die signifikante Skyline.
Gerade letzteres Bild erweist sich als ein wunderbarer Glücksfall. In die flirrende Textur der typischen Längs- und Horizontalschraffuren, die die Architekturbilder von Sabine Wild von je her bestimmen, schleicht sich eine mandelbaumartige Struktur winterlichen Geästes hinein. Das ist neu und ungewöhnlich. Denn dieses feine ins Bild wuchernde Gewebe verleiht dem gesamten Motiv eine überraschende Stabilität, die den aufragenden Maintowern am gegenüberliegenden Ufer des Flusses so nicht eigen wäre. Die horizontale Fließbewegung des Flusses und die architektonisch betonte Senkrechte werden durch diese Struktur förmlich miteinander verwoben. Der Blick wird raffiniert in die Tiefe des Raumes gezogen, wo er sich auf der Flusslandschaft ausruhen kann.
Vom hohen und schnellen Pulsschlag bestimmt, der in der Stadt des Finanzwesens herrscht, vermittelt die Bildsprache des zweiten Motivs im Gegensatz dazu einen prägnanten Eindruck. Es bildet von einem erhöhten Punkt aus vereinzelt aus der weiten Stadtfläche herausragende Maintower ab. Die signifikanten Längs- und Querschraffuren sind abwechselnd in sehr weiche und sehr harte Bildpartien gefasst. Das ist formal-ästhetische Absicht. Denn auf diese Weise wird ein virtueller Wirbel erzeugt, der den Blick in die Tiefe lockt und nebenbei als Interpretation des Finanzwesens der Stadt gelesen werden kann. Als griffen zwei schicksalhaft miteinander verwobene Kräfte im Bild ineinander, ein empfangenes urbanes Yin und ein aufstrebendes Yang.
Dagegen wirkt das dritte Motiv wie eine gotische Lichtmesse. Hier sieht der Betrachter eine klassische Ansicht des Römerberges. Die signifikanten Treppengiebel der berühmten Bürgerhäuser wirken durch Längszerrung wie transponierte gotische Säulen im Hintergrund. Helle, frische Farben dominieren. Dies ist kein Bild, in dem mittelalterliche Enge aufkommen kann, auch wenn es sich um einen ursprünglich mittelalterlichen Platz handelt. Das dunkle Pflaster nimmt die farbigen Spiegelungen der Häuser auf. Das Blau des Himmels kann ungestört durch eine Straßenflucht in die Bildmitte strömen und das Pflaster überschwemmen. Einmal mehr beweist Sabine Wild ihr feines Gespür für die Vielgestaltigkeit und verbogenen Dynamiken unserer Großstädte.
Stephan Reisner
New York Projections
Mit Sabine Wilds New York Projections wird es endlich möglich und sinnvoll, in der Fotografie den Gestus des Künstlers zu beschreiben, so wie es sich im Schreiben über die Malerei der letzten zwei Jahrhunderte eingebürgert hat. Da legt man großen Wert auf die Art des Farbauftrages, die französischen Tachisten der fünfziger Jahre machten aus der Pflicht des Malers eine Kür. Sie konzentrierten sich auf den absichtslosen Fleck (tache), den die Farbe auf der Leinwand hinterließ. Gestisch, pastos oder elegant sind die Begriffe, derer sich die Kunstkritiker im Angesicht der energetischen Pinselstriche eines Vollblutmalers wie Pierre Soulages oder des Frühwerks der amerikanischen abstrakten Expressionisten Pollock, de Kooning oder Kline gerne bedienen.
Mit den New York Projections hat Sabine Wild ihre vertikalen Werke weiterentwickelt, sich digitalen Gestaltungsmitteln zugewandt. Mit diesen erzeugt sie eine nachhaltige Spannung, die von gegensätzlichen bildnerischen Mitteln erzeugt wird: Dunklen, horizontalen und vertikalen Linien sind leuchtende Farbpartien gegenübergestellt und aufgelöste, malerisch wirkende Passagen liegen im Widerstreit mit starren, grafischen Parzellen. Sabine Wild hat sich vom Diktat der Kamera emanzipiert, das enge Korsett der fotografischen Technik abgeworfen. Also gilt es, für diese Kunst andere Kriterien zu finden – die der Malerei.
Nach Harold Rosenberg, dem Über-Kritiker der nach dem Krieg explodierenden New Yorker Kunstszene, traten die abstrakt-expressiven Maler in einen intensiven Dialog mit der Leinwand. Rosenberg prägte den Begriff „action painting“, für ihn waren sie Künstler der Tat, Maler die keine Angst vor den Antworten auf die wilden Farbattacken hatten, die ihnen ihre Bilder gaben.
Welche Sprache sprechen die Fotografien von Sabine Wild? Am ehesten ähneln ihre großformatigen Werke dem pastosen Gestus eines Franz Kline oder des Tachisten Pierre Soulages, der Energien in horizontale und vertikale Pinselhiebe packt. Doch wo Soulages ins tiefe Schwarz driftet, trägt Wild Farbe auf. Elegant dekonstruiert sie damit urbane Architekturen.
Welche Antworten geben die New York Projections von Sabine Wild? Die Fotooberfläche fängt den Blick ein, zieht ihn in die Tiefe des Bildraumes, wie es die Furchen und Flecken von Farbe auf grober Leinwand in der Malerei tun. Ähnlich verfängt sich ein wenig Aura zwischen den malerischen Elementen der Projections, überträgt sich auf den Betrachter. Sabine Wild ist auf dem Weg, eine neue Kunstform zu erschaffen, der Fotografie eng verbunden, doch aufgeladen mit den Stärken der Malerei.
Horst Klöver
Sabine Wild, 1962 in Padua/Italien geboren und heute in Berlin tätig, löst in ihrer neuesten Serie mit Stadtbildern das "Metropolitane" auf in ein Muster von Linien, Formen und Farben. Sie übersetzt die raschen Bewegungen, das unaufhörliche Hin und Her, die schnellen Rhythmen der Städte in sekundenschnell lesbare, in ihrer Ruhe aber beharrliche und nachhaltige Bilder.
Als wäre ein zeitgenössischer Flaneur unterwegs, sind ihre Fotografien irgendwo zwischen Fata Morgana und Wirklichkeit angesiedelt. Das Flirren der Stadt suchen wir genau so, wie wir nach einem Tag voller Hektik das unstillbare Bedürfnis nach Einkehr, nach Stille im Zentrum des metropolitanen Hurrikans haben. Welche Stadt sie in ihren Bildern gebannt hat? Die Stadt an sich. Doch es sei verraten: Sabine Wilds neueste Serie schuf sie in New York City, für viele von uns immer noch die Stadt aller Städte, Kulminationspunkt für millionenfache Träume und Sehnsüchte – wenn ich es dort schaffe, schaffe ich es überall, sang einst Frank Sinatra…
Wie ein Gegenentwurf zur urbanen Metropole erscheinen ihre Waldkompositionen „Vertikale“ und „White China“, in denen sie auf verschiedenen Abstraktionsgraden Stimmungen der Jahreszeiten einfängt. Die Stille eines Wintertags zwischen jungen Stämmen oder das Frühjahrsgrün mit farbigen Tupfen einiger Spaziergänger. Was Sabine Wild hier an formalen Lösungen und impressionistischen Auflösungen, an Entmaterialisierungen und Lichtspielen entwickelt, ist dekorativ im besten Sinne. Das Rauschen und das Schweigen des Waldes hat die Fotografin souverän in visuelle Kompositionen übersetzt. Gekonnt verbindet sie die malerische Geste mit der luziden Glätte der Fotografie und schafft eine wohltuende Entspannung fürs Auge.
























