Alte Nationalgalerie - Reinhard Görner
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100,0
150,0
100,0 x 150,0 cm
LIMITED EDITION, AUFLAGE: 100, SIGNIERT,
LAMBDA FOTOGR. ABZUG , NR: RGO04
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Parc de Versailles

André Le Nôtre konzipierte das Parterre du Midi von Versailles als raumgreifendes Gartenkunstwerk. Mit Blick über sanfte Wege und schlafende Bassins hinweg nimmt Reinhard Görner die Blickrichtung des berühmten Gartenbaumeisters auf. Natürliches Licht bestimmt über Temperatur und Tiefe der Impression. Die Leichtigkeit in den Bildern ist gekennzeichnet anhand der wohl durch dachten und gekonnt eingesetzten Mittel des Fotografen.

Stephan Reisner


Versailles larger than life

Ein Renaissance-Porträt galt als gelungen, wenn eine dargestellte Person nicht nur anhand ihrer äußeren Züge wieder zu erkennen war, sondern auch, wenn es der Porträtmaler fertig brachte, mit seinem Pinsel die „Persona“, also die Persönlichkeit des Porträtierten, zu erfassen.

Eine ganz ähnliche Herausforderung stellt sich der Architekturfotografie, geht es doch darum, die individuelle Ausstrahlung eines Gebäudes, sei es sein Inneres oder sein Äußeres auf dem Fotopapier zu fixieren. Dazu braucht es den scharfen Blick des Fotografen, der die architektonischen Formen wie die Gesichtszüge eines Porträtierten zu erkunden weiß. Sind diese Formen auch nicht mit menschlichen Maßstäben messbar, geht es doch immer auch um ein Raumgefühl, das es dem Betrachter ermöglicht, mit der Architektur in Verbindung zu treten. Reinhard Görners Fotografien der Prunksäle des Schlosses von Versailles versuchen nicht bloß die barocken Räume in ihrem schieren Detailreichtum zu erfassen, sie lassen den Ort zum Betrachter sprechen.

Unter Verzicht von verzerrenden Weitwinkel-Objektiven setzt Görner mit seiner Großbildkamera die überdimensionalen Säle in Szene, als seien es Charakterstudien. Behutsam beschneiden die Bildränder die Rundbögen und Kassettendecken, die sich über dem Auge des Betrachters fortzusetzen scheinen. Und gerade die Auswahl des Bildausschnitts setzt eine individuelle Kraft der Orte frei. Für den Betrachter sind diese Säle Versailles‘ beides, weitläufig und nah zugleich. Der Blick kann schweifen oder an Details verweilen, die Präsenz der Räume ist dabei stets Teil des individuellen Sehgenusses.

Bisweilen öffnen die Fotografien Görners ein Tor zu einer anderen Welt und nehmen den Betrachter mit, auf eine Zeitreise. Das Schloss ist hier nicht mehr Museum, sondern königliche Residenz und geschichtsträchtiger Ort zugleich. Der Betrachter muss die Säle nicht mit Besuchermassen teilen, ihm bieten sich exklusive Eindrücke des Spiegelsaals (Galerie des Glaces) und der Schlachtengalerie (Galerie des Batailles), wie sie vermutlich nicht einmal den Königen Frankreichs vergönnt waren. Die Säle sind leer von Menschen, jedoch scheint sich so deren individueller Charakter auf besondere Weise entfalten zu können. Zu dem in den Fotografien festgehaltenem Erscheinungsbild gehört auch, dass diese Orte Geschichte regelrecht atmen. Im Spiegelsaal wurde König Wilhelm von Preußen zum deutschen Kaiser Wilhelm I. ernannt, nachdem Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 besiegt wurde. Auch der Versailler Friedensertrag wurde dort 1919, nach dem ersten Weltkrieg, unterzeichnet. Und so haben diese Architekturfotografien der Prachtsäle Versailles‘ einem Renaissance-Gemälde doch auch etwas voraus: Hier kann im Betrachter gar ein Gefühl der Weltgeschichte entstehen, die bis in die heutige Zeit fortwirkt.

Horst Klöver


Epische Orte

Wir alle haben das Bedürfnis nach großen Mythologien, nach epischer Getragenheit, nach Orten, die uns gefangen nehmen durch ihre Schönheit und die uns die Seele öffnen. Räume, die uns atmen lassen. Der Berliner Architekturfotograf Reinhard Görner zeigt uns Bilder von solchen Orten. Seine Fotografien strahlen Ruhe und Würde aus. Er verhilft den von ihm dargestellten Orten zu ihrem Recht, indem er sie ohne bildnerische Eingriffe so abbildet, als wären sie Personen. Oft spiegelt sich die Symmetrie der historischen Architektur direkt in seinen Bildern. Darüber hinaus lädt Görners Lichtführung die Räume sozusagen „elektrisch“ auf, es ist eine Spannung und Erwartung in ihnen, welche uns Betrachtenden den Raum so öffnet, dass unsere Gedanken befreit umher schweifen können.


Geheime Korrespondenzen

Das, was Reinhard Görner (*1950) für seine Fotoarbeiten aus der Welt der Blumen fordert, den bedingungslosen Anspruch auf Schönheit, das gelingt ihm auch in der abgeklärten Eleganz seiner Kulturtempel. „Jede Pflanze hat ihr eigenes Geheimnis, das sie jedem jederzeit offenbart.“ Aber, so der Fotograf, „offenbaren kann sie es uns nur, weil wir es mit ihr teilen.“ Dieses Einlassen auf die Geheimnisse der Schönheit fordern auch die Räume der Kunst, die Görner präsentiert. Statt des biologischen Kreislaufs von Werden und Vergehen wird hier die Sehnsucht nach Ewigkeit, das Unveränderliche angestrebt, und statt bewegter Lebewesen hat man es mit toten Objekten zu tun. Aber die universalen Gesetze der Schönheit wirken eben auch im Museum, zumal die empfindlichen Skulpturen und Bilder durchaus ein Eigenleben beginnen und miteinander zu korrespondieren vermögen. Sie scheinen Blicke zu wechseln, die zwischen Männern und Frauen, zwischen Nackten und Bekleideten, zwischen Alten und Jungen hin und her gehen. In einem Raum finden sich zwei niederländische Domherren, zu denen plötzlich ein sich lasziv räkelnder Sebastian zwei Kabinette weiter hinten in Kontakt tritt, als wolle er ihnen den wahren Weg zu Ekstase und Heiligkeit weisen. In einem anderen Saal treffen der irdische und der himmlische Amor zusammen und müssen durch eine Tür voneinander getrennt werden, wie man es zur Zeit ihrer Entstehung auch mit den beiden Malern der Bilder tun musste, die ihren gegenseitigen Neid und ihre Verachtung füreinander sowohl handgreiflich als auch juristisch austrugen. Es entspinnen sich Geschichten, die Flächen füllen, Räume erobern und die Epochen, die manches Mal zwischen den Kunstwerken liegen, überspringen, als wären sie ohne Bedeutung.

Aber auch den Räumen selbst verhilft Reinhard Görner zu ihrem Recht. Gelegentlich sind sie leer, in ihrer symmetrischen Leere jedoch nicht abweisend, sondern einladend und erwartungsvoll, als wären sie selbst darauf gespannt, was mit ihnen geschehen wird. Der Fotograf, der zunächst Germanistik, Theaterwissenschaften und Sinologie studierte, bevor er sich ab 1975 der künstlerischen Fotografie zuwandte, ist ein Meister der Ruhe, und seine Aufnahmen, ganz gleich welchen Genres, folgen einem einfachen Gesetz: Sie überzeugen durch Sensibilität und Perfektion.


SKULPTUR IN BEWEGUNG

Der seit 1985 als Architekturfotograf tätige Reinhard Görner ist ein Meister der Perspektiven und präzisen Raumkompositionen weshalb die klassische Skulptur für ihn eine besondere Herausforderung in all ihren Möglichkeiten bewegter Vielansichtigkeit ist.

Entscheidend ist sein ausgewählter Bildausschnitt, der in spannungsvollen Unter- oder Rückansichten den steinernen Göttern und Musen eine unglaubliche Lebendigkeit und Leichtigkeit verleiht. Er zeigt sie tanzend oder muskulös angespannt in einer ausdrucksstarken Kampfgeste und verzichtet auf jeglichen Sockel, weshalb sie nicht statisch verankert wirken, sondern wie frei zum Sprung.

Skulpturen mit ausdrucksstarken Gesten und energischer Mimik, schwingendem Faltenwurf, athletischem Körper und nach möglichst allen Seiten perfekt wirkendem Bewegungsablauf zu gestalten, gehörte zu den klassischen Forderungen der Bildhauerkunst. Görner folgt in seiner Serie energisch diesem Kanon der Dreidimensionalität und entdeckt wunderbare bewegte Momente, die seine Protagonisten zu lebendigen Darstellern einer phantasievollen Szene werden lassen. Vor blendend azurblauem Himmel entstehen Lichteffekte mit Modellierungen und leichten Schattenwirkungen, mit denen Görner die Plastizität und Formensprache der Skulpturen voller Kraft und Energie einfängt. Außerdem nähert sich die Kameraperspektive jeweils von einer Position die ein Gefühl vermittelt, als ob der Fotograf einigen Skulpturen nahe auf ihre Schulter oder direkt in den wehenden Faltenwurfes ihres Gewandes schaut anstatt frontal ihre Proportionen abzutasten. Jegliche Distanz durchbricht er zugunsten einer stimmungsvollen Annäherung mit der er den Betrachter mitreißt und fasziniert.

Christina Wendenburg

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