LAMBDA FOTOGR. ABZUG, NR: NZU01
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Subtile Unterwanderung
Wenn ich ein fotografisches Werk in Angriff nehme, suche ein Motiv aus, meistens wegen seiner Farben, richte eine digitale Kamera darauf und nehme Einstellungen vor, die die Automatik sehr dabei fordern, ein "gutes" Bild zu machen – dann löse ich aus.
Indem ich bewusst Vorteil aus den digitalen Prozessoren und Bildwandlern ziehe, die dazu programmiert wurden, sich auf eine große Spannbreite von Lichtsituationen und Fokusproblemen einzustellen, experimentiere ich mit einem althergebrachten Medium, dem eine neue Technologie verpasst wurde. Mit den Hinweisen in meinen Bildtiteln ist der aufmerksame Betrachter befähigt, das allgemeine Thema meiner Bilder zu erkennen, wahrscheinlich aber nicht dessen spezifisches Objekt. Die Fotografien befragen die Realität ihrer Wiedergabe anhand der Qualitäten, die ihnen fehlen: Schärfe, Tiefenschärfe, Farbtiefe. Zu diesem Prozess tragen auch die offensichtlichen Bezüge zur modernen Malerei bei.
"Wenn man sich das Bewusstsein als eine Art von Linse vorstellt, durch die wir die Welt wahrnehmen, dann erhöht die drastische Einengung ihres Blickfeldes die Lebendigkeit all dessen, was im Kreis der Wahrnehmung bleibt. Alles andere fällt einfach raus, auch unser Bewusstsein der Linse selbst." (aus: Michael Pollan, The Botany of Desire)
Nina Zurier
Nina Zuriers digitale Fotografien
Die digitale Fotografie ist ein Feld, das in den letzten Jahren förmlich explodierte. In seiner Bedeutung für den echten, kreativen Ausdruck ist sie zu einer Art "mechanischer Braut" (nach Marshall McLuhan) des revolutionären Konzepts des Readymades von Marcel Duchamp geworden. Die Aufmerksamkeit hat sich vom künstlerischen Produkt auf den Schaffensprozess verlagert und damit auch den Betrachter in die Pflicht genommen.
Parallel zu der Frage "Ist das Kunst oder nicht?", die wir mit Duchamps Readymades verinnerlicht haben, gesellt sich die neue Frage: "Ist das echt oder nicht?" Gleichzeitig gibt uns die manipulierbare Natur der digitalen Fotografie den Anstoß, die Möglichkeit zu überdenken, dass das Erleben der Wirklichkeit möglicherweise ein ästhetisches Erleben ist.
Duchamps Ziel war es, die sinnliche Wahrnehmung durch eine absolute Wahrnehmung zu ersetzen. In seinen "Spezifikationen für Readymades", beschreibt Duchamp den Prozess der Auswahl der Objekte, die er benutzte, als eine "Art von Rendezvous": Das Wort trägt eine doppelte Bedeutung, die des Treffens selbst oder eines Treffpunktes. Für Nina Zurier ist es sehr wichtig, dass der Betrachter bemerkt, fühlt, wie "das Bild durch eine Linse gemacht" wurde. Hier liegt der Schlüssel zu Zuriers beharrendem Versuch, den Betrachter in ihren kreativen Prozess mit einzubeziehen.
Zurier hat sich lange und intensiv mit Duchamp auseinandergesetzt, der die Vorteile der Hingabe an den Zufall betonte. Entsprechend schreibt Nina Zurier von den glücklichen Zufällen, die sich daraus ergeben, die Grenzen der Automatik-Einstellungen ihrer Kamera auszureizen. Das stärkste Kriterium bei der Auswahl ihrer Objekte ist die Farbe, die so manches Mal im endgültigen Werk zu einer Farbe wird, die keine mehr ist. Ihre Bilder sind manchmal abstrakt, manchmal halluzinatorisch real, aber ihre farbigen Großformate sind immer in der Welt, die sie umgibt, angesiedelt, die Verbindungen zu spezifischen visuellen Phänomenen werden in den Bildtiteln angedeutet.
Jacquelynn Baas (2005)




















