LAMBDA FOTOGR. ABZUG, NR: JSE19
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Was vor 40 Jahren in der Op-Art Künstlerinnen wie Bridget Riley oder Künstler wie Victor Vasarely von Hand erschufen, entsteht heute durch ausgeklügelte Computerprogramme. Deren feinziseliertes Regelwerk erlaubt es, mit dem Grundelement jeden bildnerischen Gestaltens – der Linie – so mannigfach zu spielen, dass beinahe jedes erdenkliche Muster, jede erdenkliche Struktur innerhalb einer bestimmten, vom Designer Jürgen Stephan definierten Fläche erschaffen werden kann.
Wie schon bei den Werken der Op Art, mit der sich so viele der jüngeren Künstler wieder beschäftigen, stellt sich bei längerer Betrachtung der computergenerierten Werke Stephans ein Effekt ein, der für Verwirrung sorgt: Plötzlich stellt sich Räumlichkeit ein, scheinen sich manche Linienkompositionen in den Vorder-, andere in den Hintergrund zu bewegen, so dass ein zweidimensionales Bild zum dreidimensionalen Erlebnis wird.
"Fokussieren ist nicht nur ein optisches Geschehen, sondern wird auch durch mentale Kräfte ausgelöst", sagte die britische Malerin Riley einmal. Was damit gemeint ist, das beschäftigt auch Jürgen Stephan: die philosophische Erkenntnis nämlich, dass Kommunikation und Wahrnehmung nicht davon abhängen, was übermittelt wird, sondern von dem, was mit dem Übermittelten – textliche oder visuelle Information – im Empfänger geschieht. Der Künstler zitiert den chilenischen Neurobiologen Humberto Maturana, der gesagt hat: "Die Welt entsteht im Auge des Betrachters". So liegt es auch nur an uns allein, ob wir das Gefühlspotential in den feinstrukturierten Bildern von Stephan erkennen oder in ihnen nur Strukturen von kühler Eleganz sehen wollen.























