SILVER GELATIN PRINT VON PHAIDON, NR: JWL01
(vom Künstler ausgewählt)
Motiv: 50.4 x 40.2 cm
Limitierte Auflagen – daher nur begrenzt verfügbar
- Selection
- Einführung
- Vita
- Publikationen
Der Kanadier Jeff Wall inspirierte mit seinen historischen Vorbildern aus der Malerei oder Romanerzählungen in spektakulären zeitgenössischen Inszenierungen eine ganze Generation von Fotografen wie Thomas Ruff oder Sophie Calle. Er beginnt 1967 die Fotografie als Kunstform zu erobern und arbeitet seit 1978 durchgehend mit farbigen, großformatigen Bildern in Form von Leuchtkästen, die er 1995 auch mit Projekten in Schwarzweißfotografien auf Papier ergänzt. Mit seinen Teilnahmen an der documenta 7 (1982), der documenta 8 (1987), der documenta X (1997) und auch der documenta 11 im Jahr 2002 in Kassel ist sein Werk auch unter europäischen Kuratoren bekannt und geschätzt.
Eine Besonderheit der Fotografien von Jeff Wall ist, dass sie nicht in Serien oder als Werkgruppen entstehen, sondern dass jedes Bild eine einmalige Komposition darstellt, die autonom für sich steht. Viele Bilder von Jeff Wall sind inspiriert von Romanen, Gemälden oder Skulpturen. Ein ganzer Werkkomplex ist an berühmte Gemälde oder Skulpturen angelehnt. So ist seine Fotografie The Thinker/Le Penseur beispielsweise ein Zitat der gleichnamigen Skulptur von Auguste Rodin, „The Storyteller“, „Das Frühstück im Freien“ erinnert an das gleichnamige Gemälde von Édouard Manet, „Die Freiheit führt das Volk“ von Eugène Delacroix war Vorbild für Walls Fotografie unter dem Titel „The Stumbling Block“.
Viele Werke arrangiert er auch als absichtsvolle Inszenierungen des Alltäglichen, hinter denen viele Stunden und manchmal mehrere Tage Arbeit eines ganzen Teams stecken, z. B. von Darstellern, die wie zufällig durchs Bild gehen.
Selbst Fotos ohne Darsteller wirken wie das Standfoto aus einer Filmszene und machen neugierig auf geheimnisvolle Geschichten hinter verborgenen Türen, wie die Holzverkleidung mit alten verzierten Verankerungen, die er als vorgefundenes Arrangement an einem Haus dokumentiert. Mit seinen Schwarzweißfotografien bezieht sich der Künstler inhaltlich und formal auf die klassische Dokumentarfotografie und deren traditionelles Engagement für sozial am Rand der Gesellschaft agierende Schichten sowie auf den neorealistischen Film. Technisch hat er sich auch mit Silbergelatineabzügen historisch auseinandergesetzt und knüpft thematisch immer wieder an verwandte frühere Arbeiten in seinem Werk an. Sie alle belegen Jeff Walls Verbundenheit mit der Tradition des Realismus des 19. Jahrhunderts. Dabei hat er diese durch zeitgenössische Attribute meisterhaft weiterentwickelt und so sind viele seiner Bilder zu Ikonen der zeitgenössischen Fotografie geworden.
Christina Wendenburg




















