LAMBDA FOTOGR. ABZUG , NR: JPO01
(vom Künstler ausgewählt)
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Als der Kölner Professor für Physik Jaroslav Poncar 1993 erstmals die Tempel von Angkor Wat in Kambodscha besuchte, war er wie alle Besucher begeistert. Sofort interessierte er sich für die riesigen Bäume. Er schreibt: „In dieser auffälligen Größe existieren sie nur hier. Und sie haben in keiner mir bekannten Sprache einen Namen – außer auf Lateinisch (Tetrameles nudiflora). Neben der riesigen Tempelanlage und den großen Gesichtern mit ihrem rätselhaften Lächeln sind auch sie ein Wahrzeichen von Angkor und gehören zu den stärksten Erlebnissen dort. Die Franzosen nennen sie ‚fromagères‘, weil sie dem fließenden Weichkäse zu ähneln scheinen. Sie gehören zu der Familie des Ficus. Nachdem die Franzosen Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Restaurierung von Angkor – 1860 für die westliche Welt entdeckt – begonnen hatten, beschlossen sie, in zwei Tempeln, Ta Prohm und Preah Khan, nur die kleine Vegetation zu entfernen und die Riesen zu belassen. Wie alt die Bäume sind, kann man nur schätzen, weil in den Tropen keine Baumringe gebildet werden, die man einfach abzählen könnte. Auf den ältesten, mehr als hundert Jahre alten Fotografien sehen sie genauso mächtig aus wie heute. Ich selber kannte von allen Fotobüchern, die mir bis damals in die Hände gefallen waren, nur das Wurzelwerkauf den Tempelruinen. Meine spontane Reaktion war, dass ich die Bäume in ihrer beeindruckenden Schönheit als vertikale Panoramas aufnehmen könnte.
Auf der ersten Reise hatte ich nur meine alte russische Panoramakamera dabei, die wegen ihrer Bildproportionen nicht geeignet war. Die richtige Kamera lag zu Hause in Köln. Also war die nächste Angkor-Reise fällig. Von 1994 an habe ich dann versucht, so viele Käsebäume aufzunehmen wie möglich. Zum Glück ergab sich, dass die Kölner Fachhochschule in Angkor Wat ein Konservierungsprojekt hatte und ich dabei war. Bis 1998 fotografierte ich ca. 35 Bäume. Ich tat gut daran, denn inzwischen sind einige von ihnen auf natürliche Weise gestorben; sie sind im Sturmwind gebrochen oder sind von Würgefeigen gespaltet worden.“
Was alles die Bäume von Angkor Wat wohl schon gesehen haben? Wir wissen es nicht. Auch nicht, wie lange sie überdauern werden. Ihr Weiterleben sichern uns die Fotografien von Jaroslav Poncar.




















