LAMBDA FOTOGR. ABZUG, RUND, NR: AGE01,
KASCHIERUNG UNTER ACRYLGLAS (120,0 X 120,0 CM)
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Atlanten der Raumfahrt
Warum ist der Mars rot, gelb und blau? Wie entsteht das Mondgesicht?
Das Verhältnis mancher Wissenschaftler zu Mond und Mars ist wie das der Hippies zu ihren alten VW-Bussen: Man kann sie nicht wirklich lieben, dafür sind sie doch zu ungemütliche Orte, dennoch malt man sie kunterbunt an. Das Anliegen dieser beiden kreativen Taten ist die Abgrenzung, im Fall der astrogeologischen Karten wird die Unterscheidung und Entstehungsgeschichte der Gesteinsarten der Planeten deutlich gemacht.
Das Kartenmaterial ist, wie die Hippiebewegung, historisch. Es wurde 1971 bis 1998 im Auftrag der NASA entwickelt und stellt das Wissen des United States Geological Survey (USGS) über die zu Stein gewordene Entwicklung unseres Sonnensystems dar. So entstanden die Atlanten der Raumfahrt. Sie dienen noch heute dazu, Missionen zu planen und geeignete Landestellen für bemannte und unbemannte Erkundungsreisen festzulegen. Auch am Astronautentraining haben die Astrogeologen wesentlichen Anteil. So wurden in den sechziger Jahren unter ihrer Anleitung die Apollo Mondlandungen im Grand Canyon geprobt.
Die Oberflächen von Mond und Mars erzählen eine lange Geschichte. Jeder Gesteinsbildung ist eine klare Farbe zugeordnet, verbunden mit Angaben über Entstehungszeit und Erosionszustand ergibt sich das hochkomplexe Bild der astrogeologischen Karten.
Ein gewaltiger Einschnitt war die heftige Vulkantätigkeit auf beiden Planeten vor etwa drei Milliarden Jahren. Die Krater gewaltiger Meteoriteneinschläge liefen mit Lava voll. So entstanden die von den Forschern als "maria" (Latein für "Meere") bezeichneten Ebenen, die von einem charakteristischen Ringgebirge begrenzt werden. Dieser Rand besteht im Fall des Mondes aus Lunarit, dem hellen Mondgestein. Die Füllung der Mondmeere ist dem vulkanischen Basalt der Erde ähnlich und wird als Lunabas oder dunkles Mondgestein bezeichnet. Das uns vertraute Mondgesicht wird im Sonnenlicht von kontrastierend gefärbten Riesenkratern gebildet. Nach den heftigen Eruptionen kühlte der Mond rasch ab, glasartige Einschlüsse im Gestein deuten darauf hin. Daneben findet sich reichlich Eisen und Magnesium. Wasser war, soweit man heute weiss, nie ein Thema auf dem Mond.
Ganz im Gegensatz zum Mars: Hier floss der Lebensquell reichlich, Flussbetten deuten darauf hin. Eis findet sich im Gestein und an den Polkappen. Flüssig ist auf der Marsoberfläche heute nichts mehr. Roter Staub bedeckt die meisten Flächen, ständig verweht von den heftigen Stürmen, die mit bis zu 200 km/h durch die kalten Steinmeere und schroffen Gebirge jagen. Ganz rot erscheint uns der Mars auch im Teleskop. Rost ist die Erklärung für dieses Phänomen. Hier hat die Astrogeologie ganze Arbeit geleistet und dem Gestein ein grosses Geheimnis entlockt: Wo heute rosthaltiges Material ist, muss früher Korrosion stattgefunden haben. Dazu sind flüssiges Wasser und Luftfeuchtigkeit notwendig, die ein wärmeres, feuchteres Klima bedingen. Gute Gründe zu der bescheidenen Annahme, dass auf dem Mars Leben möglich war. Grund auch für weitere Missionen, an denen die Astrogeologen maßgeblich beteiligt sind.
Die Karten erinnern an die "Ligne Claire", die wohl erfolgreichste Stilrichtung des Comics, die auch die amerikanische Pop Art wesentlich beinflusst hat. Hergés Helden Tim und Struppi (engl. Tintin and Snowy) waren der Comiclegende "Schritte auf dem Mond" nach in den 50er Jahren auf unserem Trabanten. Professor Bienlein (engl. Calculus) hat im Vorfeld der Mission einen geologisch auffälligen Krater als Landeplatz auserkoren - ein voller, fiktiver Erfolg: Die bunte Truppe entdeckt in einer Höhle Eis und ging wieder, lange bevor ein realer Amerikaner den Mond betrat. All den Entdeckern zu Ehren und über 80 Forschern sei Dank, leuchten Mond und Mars in einer LUMAS Science Edition heute in den Farben der Pop Art.
Horst Klöver























