LAMBDA FOTOGR. ABZUG, NR: ADR05
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Eine Ode an die Pixel
Musik ist die Wissenschaft oder die Kunst, Töne oder Klänge zu vereinheitlichen und zu kontinuierlichen Kunstwerken zusammen zu fügen. Alex Dragulescus Kunst besteht darin, eine musikalische Komposition in ein visuelles, digitales Kunstwerk zu verwandeln.
Das Trio in C-Dur für Piano, Violine und Cello, Köchelverzeichnis 548, von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahr 1788 ist der Grundstoff, aus dem Dragulescu ein sehr anschauliches, farbenprächtiges neues Werk schafft. Er folgt hierbei klaren numerischen Prinzipien: "Die Computersoftware analysiert eine Reihe von Charakteristiken der Noten wie Tonhöhe, Tempo, Dauer und Gesamttempo. Die Noten der einzelnen Instrumente werden durch Farben unterschieden: Weiß steht für das Piano, Gelb für die Violine und Blau für das Cello. Die Strukturen entwickeln sich Segment für Segment, also repräsentiert jedes Segment eine Note eines bestimmten Instruments aus der Komposition... Zusätzlich wird jedes Charakteristikum der Note, ihre Geschwindigkeit, Höhe und Dauer in das Gewicht, die Länge und die Drehung eines Segments übersetzt."
Die Idee, Informationen, die nicht greifbar sind, zu visualisieren, ist so alt wie das Denken selbst. Eine der Grundfolgerungen aus den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen Platons war, dass alle Erscheinungen auf einer mathematisch-geometrischen Ebene miteinander verknüpft sind. Statische Methoden, Daten in Diagrammen zu sortieren und unseren Sinnen zugänglich zu machen, wurden durch die Jahrhunderte entwickelt. Mit dem Heranreifen der digitalen Technologie wurde es möglich, hochkomplexe Datenräume darzustellen. Datenströme werden in organisierte Strukturen geleitet, quasi kartographisiert. Diese Darstellungsformen wurden zu einem breiten Experimentierfeld der Wissenschaften, der Statistik, der Architektur, des Designs und der zeitgenössischen digitalen Kunst.
Hier finden sich Verbindungen zum bahnbrechenden Denken der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Viele der Meister des Bauhauses schätzten die Möglichkeiten der Musik, verschiedene zeitliche Vorgänge gleichzeitig im Raum zu entwickeln, die Polyphonie hatte es ihnen angetan. Sie versuchten, auch mit der Unterstützung wissenschaftlicher Theorien, den bildenden Künsten diese Möglichkeiten zu eröffnen. Man nahm Farben und Formen als musikalische Themen war, gab den malerischen und grafischen Werken Titel wie "Fuge" oder "Präludium", Paul Klee zum Beispiel übte sich in mehrstimmigen musikalischen Kompositionsverfahren. Durch Überlagerung und Durchdringung unterschiedlicher Farbflächen entstanden "mehrstimmige" Bildgefüge.
Konsequent folgt Alex Dragulescu hier den Meistern der Moderne, nutzt die Möglichkeiten des Informationszeitalters, um visuelle Kompositionen für das 21. Jahrhundert zu schaffen. Der Künstler stammt aus Rumänien und arbeitet heute in einem der Orte, wo die Zukunft erdacht wird: Er ist Mitglied der Social Media Group des Medienlabors des Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, USA.
Horst Klöver




















