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Seit sechs Jahren lebt und arbeitet die japanische Künstlerin Yumiko Kayukawa in den USA. Seither ist sie an ihrer Heimat, wie sie sagt, viel stärker interessiert als vorher. In ihren Bildern verbindet sie die traditionelle japanische Bildform des Mangas mit dem bestimmten Lebensgefühl einer jungen Generation, die gelernt hat, sich vielfältig in aller Medienkompetenz auszudrücken. Ursprünglich ist der Manga eine zwanglose Form der Lebensdarstellung, eine narrative Momentaufnahme und kein Comicstrip. Der Begriff wurde bereits vor über 200 Jahren durch einen der wohl bekanntesten japanischen Künstler, dem Ukiyo-e-Meister Katsushika Hokusai, berühmt gemacht. Yumiko Kayukawa greift diese tradierte Bildform auf, übersetzt sie in die Gegenwart und füllt sie mit individuellen Bildelementen und ausgesuchten Sujets an. Zu ihrem ikonographischen Vokabular gehören stets Tiere, wilde genauso wie handzahme. Natur, Mensch und Tiere stehen in Kayukawas Bildern in einem unzertrennbaren Zusammenhang. Ihre Bildszenen wirken zuweilen wie aus einer japanischen Neufassung von Alice im Wunderland, wobei das Kindliche und vermeintlich Naive stets durchbrochen wird. Mit Tätowierungen am Arm und ein Samuraischwert schwingend erinnert eines der Mädchen in "Nihon Ookami" stark an bekannte filmische Vorbilder. Die popkulturellen und kulturhistorischen Zeichen fungieren in den Werken der Künstlerin stets als erlebnisreiche Zutaten ihrer innovativen Bildsprache. Das junge Mädchen in Kayukawas Bildern ist wandelbar, sie schlüpft in immer neue Rollen und stellt sich besonderen Situationen. Yumiko Kayukawa verbildlicht so in ihren Bildern stellvertretend das Lebensgefühl einer ganzen Generation, die auf der Suche nach sich selbst ist, stets im Spannungsfeld von Altem und Neuem.

Stephan Reisner

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