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Malerei mit Filter

Torsten Ruehle inszeniert in seinen Bildern eine Atmosphäre zwischen Alltag und Fiktion. Der gebürtige Dresdner hat in seiner Heimatstadt und in Hamburg Malerei studiert, sich darüber hinaus aber auch umfangreich mit zeitgenössischem Film und Fotografie auseinandergesetzt.


Er deutet in seinen Bildern Situationen an, die sich nicht immer vollständig erklären, dafür aber kleine Rätsel und erzählerische Momente bergen.
Anspielungen an filmische Vorbilder wie David Lynchs´ surreal anmutende amerikanische Vorstadtkulissen der sechziger und siebziger Jahre faszinieren den Künstler. Zwischen Künstlichkeit und Inszenierung entwickelt er seine ganz eigenen Wohnzimmer. Entweder stylt er die Räume bewusst mit reduzierten Designermöbeln und kühlen Farben oder wagt in seinen Serien Rückgriffe in Epochen wie die fünfziger und sechziger Jahre mit leicht vergilbtem Ambiente und plüschigen Sofas. Nostalgisch wie der Blick in ein Familienalbum bilden sie eine zusätzliche Zeitebene.
Diese Szenarien tauchen wie Erinnerungen auf und sind für den Betrachter nur durch einen milchigen Schleier sichtbar. Hier wird Malerei zu einem Gedächtnismoment und offenbart den Blick in einen Souvenirladen mit einer surrealen Sammlung von Madonnenstatuen.
Wie ein Regisseur wechselt Torsten Ruehle raffiniert den Blickwinkel: mal beobachtet er Szenen aus der Vogelperspektive und sieht die Statisten von oben flach auf einer Couch liegen. Dann wieder eröffnet er die Frontalansicht durch ein Schaufenster, als stände man neugierig vor der Scheibe.


Typisch für seine Bild-Arrangements sind die grafische Linienführung und die betont flächigen Raummodelle, in denen sich Personen wie Statisten aufhalten. Trotzdem sucht der Betrachter nach Vertrautem und Verwandtem, orientiert sich an der ungewohnten Perspektive und hinterfragt Realität und Fiktion. Der scheinbar dokumentierte Alltag wird zum Suchspiel und verblüfft mit kleinen Überraschungseffekten.
Seine Bildstrategie funktioniert wie ein flüchtiger Blick ins filmische Archiv der Moderne und löst manchmal sogar vertraute Assoziationen an eigene biografische Begebenheiten aus.

Christina Wendenburg

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