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WENIGER IST MEHR

Die Reduktion der Farbpalette ist eines der wesentlichen Werkzeuge von Thomas Riese, um von überflüssigen Details in seinen Bildern abzulenken. Er löst Fotografien mit digitaler Technik in meist weniger als zwölf Farbtöne auf. So bereitet der Nürnberger Fotograf dem Betrachter ein neues, intensives Seherlebnis durch die kreative Verwandlung von Szenen, die er aus dem Reich des Alltags schöpft. Er steht damit in einer Bildtradition der Romantik: Werke der Kunst sollen eine freie Kontemplation anstoßen, um den Betrachter momentan aus den Zwängen seiner gewohnten Lebenswelt zu lösen, ja um einen Gegenpol zur Erfahrung der tagtäglichen Entfremdung zu schaffen. Details, die zuviel Aufmerksamkeit fordern, stören die Ruhe der Betrachtung; was sie erzählen, bleibt dem Alltäglichen verhaftet, anstatt davon zu entlasten.

Thomas Rieses Serie "Public Places" widmet sich dem Menschen im öffentlichen Raum. Menschen treten mit Architektur in intensiven Kontakt. So ist es kein Zufall, dass Thomas Riese von der Spinnerei Leipzig, einem in den letzten Jahren neu geschaffenen Kunstareal voll vibrierender Energie, angezogen und inspiriert wird. Im Fall der Bilder, die Thomas Riese von Fussballfans in den Rängen eines Stadions aufgenommen hat, werden aus diese Begegnung dynamische Kompositionen, die durch den hohen Abstaktionsgrad und die geschickte Wahl starker Farbtöne mit malerischer Energie aufgeladen werden.

Horst Klöver

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