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Kinoräume – Kinoträume
Manchmal wirken sie futuristisch-skurril, manchmal gleichen sie prachtvoll geschmückten Theatersälen. Dabei handelt es sich um alte Kinosäle in unterschiedlichen Städten Europas, welche die 1977 in Halle geborene Fotografin Sylvia Ballhause in einer sorgfältigen Spurensuche abgelichtet hat – Fundstücke, die an vergangene Welten erinnern, wie das Urania Kino in Budapest, das Lucerna Kino in Prag, das Emek Kino in Istanbul, das Atrium-Kino in Nürnberg und viele mehr.
Die streng formale Vorgehensweise der Fotografin erweist sich hier als Glücksfall: immer wählt sie die Zentralperspektive, immer konzentriert sie sich auf die strukturgebenden Elemente der Architektur – Stuhlreihen, Logen, Vorhänge, Beleuchtung, Wandausschmückung –, so dass selbst opulent gestaltete Lichtspielräume streng wirken, stark gegliedert, und auf diese Weise vor allem die formale Ähnlichkeit dieser Räume ins Auge fällt. Symmetrisch aufgereihte Sitzblöcke schießen in Fluchten auf angestrahlte Samtvorhänge zu, mal von Stuck umgeben, mal von glitzerndem Dekor. Die Räume wirken surreal, so als wollten sie all jene, die den Trugbildern aus Zelluloid entgegenfiebern, schon im Vorfeld mit einer Traumwelt umgeben.
Die Gestaltung der alten Kinosäle schafft ein Zwischenreich, ein architektonisches Relais zwischen Traum und Wirklichkeit. Obwohl der Film noch nicht begonnen hat, die Leinwand und der Saal noch leer sind, vermittelt die durch die Architektur hervorgerufene Atmosphäre schon das Gefühl, inmitten eines Films zu sein, Teil seiner Illusionsmagie. Dabei hat jeder dieser Säle sein eigenes Gesicht, seine eigenen liebevollen Details, seinen ureigenen Charme, der durch die kompositorische Stringenz der Bilder von Ballhause noch hervorgehoben wird – und in vollkommenen Gegensatz zu der anonymen Nüchternheit und gleichförmigen Anlage der Multiplexkinos unserer Zeit steht. Insofern ist Sylvia Ballhauses fotografische Spurensuche nicht nur formale Annäherung an einen vergangenen Architekturtypus, sondern auch Erinnerung, die von einer nostalgischen Sehnsucht nach einer beseelteren Vergangenheit erzählt.
Geraldine Blum























