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ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT

Der australische Künstler Stephen Haley schlägt eine Brücke von den Entdeckungen der Renaissance bis ins 21. Jahrhundert. Die Konstruktion des Fluchtpunktes und damit der Zentralperspektive war Ausgangspunkt für die Entwicklung der modernen, technisch dominierten Bilderwelt. In den Veduten der Frührenaissance herrschte ein nüchterner Blick über die Bauwerke räumlich wohlgeordneter Städte. Haley entwirft ein kongeniales Bild stark geordneter Strukturen der Wohn- und Arbeitswelt heute. Mit Hilfe von 3-D Technik schafft er so bestechende Illusionen, die er durch Wiederholungen und die Einspiegelung realer Stadtpanoramen wieder bricht. Es ist eine visuelle Kunst der Fuge, die auf wohlorganisierten Grundthemen die moderne Welt aufscheinen lässt. Haley Werke, die er "virtuellen Fotografien" nennt, sind wissenschaftlich fundierte, visuelle  Kommentare zu heutigen und zukünftigen Entwicklungen.

Stephen Haley trägt einen Doktortitel der Universität von Melbourne und lehrte dort Kunstgeschichte. Er hat sich in seiner akademischen Arbeit intensiv mit den Thema Gesellschaft und Spiegelung auseinandergesetzt. Sein Denken und Gestalten heute geht von einem Netzwerk aus, das das Internet und andere Netzwerke, Abhängigkeiten des modernen Menschen umfasst: "Das Netz schließt uns alle ein, es hat die Macht, uns einzuschränken aber auch zu verbinden. Es kann unterdrücken, aber auch schwindelerregende Schönheit ausstrahlen - je nachdem, wie und von wem es angewandt wird."

Echter Raum wird nach den Worten Haleys zunehmend nach Modellen im virtuellen Raum gestaltet. "Der Spiegel ist zu einem Zeichen unserer Zeit geworden. Wir stehen an einem historischen Zeitpunkt, an dem das Reale in der Simulation verschwindet." Die Thesen des Wissenschaftlers finden in seinen fast beunruhigend schönen Bildern einer bestimmten Zukunft ihre kongeniale Entsprechung.

Horst Klöver

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