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Zwischen Nacht und Tag
 

Es ist eine zerbrechliche Seite, die die meist männlichen Modelle von Sakiko Nomura (*1957) fern von allem Männlichkeitsgehabe zeigen. Die nackten Körper ihrer Freunde vermitteln stattdessen eine Menschlichkeit, eine trauerumsponnene Wärme, reflektiert in atmosphärischem Nachtlicht, das weit mehr verhüllt als offenbart. Ein künstliches Licht, das auch selbst zum Thema werden kann. Es ist eine Beleuchtung, dass das Dunkel hervorhebt, ihm Respekt zollt und seine Geheimnisse wahrt. Die Intimität der Porträts von ruhenden Männern in Hotelbetten setzt sich fort in den Landschaften und Städtebildern, die warm und vital aus dem Dunkel herüberglühen. Die ungewissen Stunden zwischen Nacht und Morgen scheinen die bevorzugte Zeit Sakiko Nomuras zu sein, die als langjährige Assistentin des spektakulären Nobuyoshi Araki auch einen ganz anderen, einen schwarz-weißen, akzentuierten, drastischen Umgang mit Erotik kennen gelernt hat. Aber ihr gelang es, dessen ungeachtet, zu einer eigenen Bildsprache zu finden, die den Affekt vom vordergründigen Effekt abkoppelt und von reflexiver Melancholie berichtet, von einem Ausgeliefertsein des Menschen an das Leben und den Lauf der Zeit.


Sakiko Nomuras Bilder sind Impressionen der Ruhe im Wandel des Lebens, des Lichts zwischen Nacht und Tag, des hoffenden Wartens auf diese und andere kommende Veränderungen, und sie sind Bilder von großer Schönheit, die durch die Verletzlichkeit und Flüchtigkeit des Modelle und anonymen Szenerien noch eine Steigerung erfährt.




Dr. Boris von Brauchitsch

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