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SPRECHENDE FASSADEN
Die fotografische Serie "Versiegelte Räume" von Grit Dörre und Petra Steiner trägt deutlich literarische Züge. Die von den beiden Künstlerinnen in den Jahren 1991 bis 1995 abgebildeten Fassaden ostdeutscher Häuser schließen Laden- und Wohnräume ein, die voller Erinnerungen sind. Äußerlich hat die Zeit alles gleich gemacht - die verbauten Materialien Holz, Glas und Stein zeigen ihre natürliche Färbung durch eine Schicht Grau - die Patina der DDR, überlagert von der Ungewissheit der Zeit des Wandels nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Die feinen Farbnuancen bilden Dörre und Steiner in gleichmäßigem Licht ohne tiefe Schatten oder überstrahlende Lichter ab, alles wird gleich behandelt, jedes Detail bekommt so Raum und Zeit, zu wirken.
So wie die Romane von Marcel Proust (1871-1922, Hauptwerk: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit) stilistisch von bewussten Wiederholungen und genauen Beschreibungen leben, entwickelt die Serie "Versiegelte Räume" ihre Wirkung durch die stringente und rein dokumentarische Behandlung der Fassaden. Der Blick verfängt sich in den Strukturen der Mauern und Bretter, dringt ein in einen Erinnerungsraum, der hinter den verfallenden kulissenartigen Mauern liegt. Dieser Raum ist je nach eigenem Erleben des Betrachters unterschiedlich besetzt. Menschen, die in der Zeit vor und während des Übergangs in der DDR lebten, nehmen die Fassaden anders war, als diejenigen, die von außen kamen.
So entstand die genaue Auswahl der Motive und der Plan für die Umsetzung des Projekts aus den Diskussionen und Reibungen der Dresdnerin Grit Dörre und der Wahlberlinerin Petra Steiner, die in Österreich aufgewachsen ist und dort Fotografie studierte. Das Engagement der beiden ermöglicht es heute, entlang der in ihren Bildern konservierten Fassaden, die Suche nach einer wichtigen Zeit und ihren Erinnerungen aufzunehmen - Erinnerungen, die im Zuge der rasanten Entwicklung der neuen Bundesländer Deutschlands fast verloren gingen.
Horst Kloever
| GRIT DÖRRE | |
| 1971 | geboren in Dresden, Deutschland |
1992-1995 | Ausbildung im Fotografenhandwerk, Dresden und Potsdam, Deutschland |
| 1995 | Verleihung des Titels „Europäische Architekturfotografin des Jahres 1995“, Berlin, Deutschland |
| 1998 | Stipendiatin für Foto- und Grafikdesign bei Grey Advertising, New York, USA |
| Assistentin bei Steve Hellerstein Photography, New York, USA | |
| 2003-2008 | Studium der Kunstgeschichte, Philosophische Fakultät TU Dresden, Deutschland |
| seit 2004 | selbständig als freiberufliche Fotografin |
| |
PETRA STEINER | |
| 1967 | geboren in Saalfelden, Österreich |
| 1987-1989 | Fotografiestudium an der „Grafischen“ in Wien, Österreich |
| 1989 | Erster Österreichischer Fotografiepreis/Kees-Stiftung |
| 1990 | Architekturfotografiepraktikum in Kassel |
| seit 1991 | selbstständige Architekturfotografin in Dresden, Deutschland |
| 1994-1997 | Lehrauftrag für Fotografie an der HTW-Dresden/Fachbereich Gestaltung |
| 1995 | Auszeichnung zur Europäischen Architekturfotografin |
| seit 1999 | wohnhaft in Berlin, Deutschland |
Ausstellungen (Auswahl)
| DÖRRE STEINER | |
| 2007-2008 | Voyages d’hiver, Allemagne et photographie contemporaine, Cambrai, Frankreich |
| 2004-2006 | Schlossallee Moritzburg |
| 2002 | Kinetische Räume, Galerie Oran, Dresden, Deutschland |
| 1998 | espace scellé, mois off, Paris, Frankreich |
| PETRA STEINER | |
| 2003 | Kinetische Räume, Galerie Oran, Dresden, Deutschland |
| 2002 | Michaelisquartier, Steidle und Partner, Junius-Verlag Hamburg, Deutschland |
| 2001 | est erat, focus berlin, Stuttgart, Deutschland |
| 2000 | Architektur 20. Jahrhundert, DAM, Frankfurt, Deutschland |
Aufsätze/Artikel (Auswahl)
| PETRA STEINER | |
| 2004-2006 | Fotobeiträge für Architekturbiennale in Venedig |
| 2000-2006 | Veröffentlichungen in verschiedenen Architekturbüchern und Architekturzeitschriften |
























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