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Grelle Botschaften aus dem Dunkel
In der Geschichte des Fotogramms schließt Natalie Ital an das an, was ihr von ihrem Hochschullehrer Floris M. Neusüss an der Gesamthochschule in Kassel vermittelt wurde, und damit an die Arbeiten jenes Künstlers, der im Bereich der Fotogramme seit mehreren Jahrzehnten maßgebende Akzente gesetzt hat. Seit sie ihr Studium der visuellen Kommunikation 1993 beendete, hat sie sich - nicht zuletzt sprechen mehrere Förderpreise sowie Einzelausstellungen und Beteiligungen an Gruppenausstellungen dafür – eine ausgesprochen persönliche Handschrift erarbeitet.
Die vordergründig deutlichste Differenz zu ihrem Lehrer, der ganz betont in klassischem Schwarz-Weiß arbeitete, stellt sich durch die Farbe ein, die sie nachhaltig eingesetzt hat. Aber auch hinsichtlich der motivischen Gestaltung ging sie eigene Wege. Zu den deutlichen Zeichen der Emanzipation gehören ihre Künstlerbücher, in denen sie in schöner Folge seit 1990 ihre fotografischen Arbeiten sammelt, und die sie in kleineren Auflagen im Selbstverlag herausbringt.
Höchste Konzentration beim Spiel mit dem Zufall
Ihre Farbarbeiten, die auch insofern von den klassischen Fotogrammen abweichen, als sie sowohl negative wie positive Bildformen großflächig miteinander vermischen, versammeln die unterschiedlichsten Motive. So lässt sie Musikikonen der 1950er und 1960er-Jahren, wie Elvis Presley, auferstehen oder sie baut aus der Welt der Spielzeuge vertraute Panzertiere, aber auch Barbie & Ken oder selbst Skelette in ihre Bilder ein. Bereits das liefert deutliche Hinweise darauf, dass sie die gängigen Bildmuster sprengen möchte. Schließlich treffen wir – wiederum an die Vorbilder von Floris M. Neusüss anknüpfend – auf Körperbilder mit namentlich unbenannt bleibenden Personen, die aus ihrem ganz persönlichen Freundes- und Bekanntenkreis kommen und die sich auf ein solches gestalterisches Experimentieren im Dunklen mit ihr eingelassen haben. Denn das Arbeiten in einem absolut dunklen Raum schließt, was die gestalterische Umsetzung betrifft, unvermeidbar gewisse Zufälligkeiten mit ein. Geht es doch darum, die Körper nach zuvor entwickelten Ideen in Verbindung mit den unterschiedlichsten Objekten und Elementen bei totaler Dunkelheit gestaltend miteinander zu verbinden. Selbstredend folgt am Ende jedes einzelnen und hochkonzentriert durchgeführten Arbeitsganges die Bewertung der so entstandenen Bilder durch die Künstlerin selbst. Sie entscheidet darüber, was als technisch, ästhetisch und inhaltlich gelungen an die Öffentlichkeit gelangen soll.
Emotionale Kontraste
Gefälligkeit und Konvention ist das am wenigsten Gewünschte und folglich liegen die chaotisch-anarchischen Züge ihrer Bilder ganz auf der von ihr angestrebten Linie. Genauso gezielt arbeitet sie mit Gegensätzen: Schönes korrespondiert mit Hässlichem, das Schmeichelhafte mit dem Bedrohlichen, der Tod mit dem Leben. Sie möchte mit dieser auf Spannung angereicherten Gestaltung bewusst Emotionen bei den Betrachtern auslösen, die sich nicht im gleichgültigen Gefallen erschöpfen, sondern mit wirklichen Gefühle reagieren.
Zu dem permanenten Mix unterschiedlichster Motive, Bildquellen und technischer Vorläufer, die Natalie Ital miteinander bildmäßig virtuos verquickt, gehört vor allem die Farbigkeit, die von ihr, teils sogar mit Farbfiltern gesteigert, intensiv angelegt wird. Deshalb strahlen ihre Bilder Expressivität, Dynamik und in Teilen sogar Schreiendes aus. Damit entsteht ein Gesamterscheinungsbild, das aus naheliegenden Gründen mit unseren Alltagserfahrungen, den persönlich erlebten, aber mehr noch den via TV vermittelten, einhergeht. Dafür sprechen auch Bildtitel wie Lemon Twist, Catfish Boogie oder Googoomuck. Diese Übereinstimmung reicht bis in die formale Gestaltung ihrer Fotogramme, denn erleben wir nicht fortwährend das Aufeinandertreffen unterschiedlichster und teils sich gegenseitig ausschließender Elemente? So betrachtet liefern ihre bewusst grellen wie formal hoch verdichteten Fotogramme den nachdrücklichen praktischen Beweis, dass diese alte Kunstform beileibe nicht überholt ist, sondern im Gegenteil, ob ihres Potentials zeitgemäß eingesetzt werden kann.
Als Produkte analoger Technik demonstrieren ihre Fotogramme schließlich, dass es heute unter der uneingeschränkten Vorherrschaft digitaler Bildtechniken nach wie vor möglich ist, mit alten fotografischen Verfahren künstlerisch auf der Höhe der Zeit zu agieren.
Dr. Enno Kaufhold
























