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MIT BREITEM PINSEL

Wenn man Mosaike malen könnte, würden sie eine ähnliche Wirkung entfalten wie die Bilder von Mark Khaisman. Seine Medien sind jedoch nicht die pastos aufgetragene Farbe oder passgenau zusammengefügte Stein- und Glasstücke – der Künstler greift stattdessen zum Paketklebeband. Konsequent setzt er so eine Strategie der Pop-Art um, nicht nur die Motive des Alltags, sondern auch dessen Dingwelt künstlerisch zu behandeln und in eigenständigen Werken auch direkt einzusetzen.

Ganz zeitgemäß ist zudem Khaismans Art, vergangene und gegenwärtige Kunstströmungen auf subtile Weise zu zitieren oder zu imitieren, er nennt sein Vorgehen "post-konzeptionell". Die sich überlagernden, verschieden dichten Bahnen des Paketklebebandes erzeugen unterschiedlich getönte, kleinere und größere Flächen, durch die ein zu Grunde liegendes, rückwärtig durchleuchtetes, fotografisches Motiv scheint und stark verändert wird. Das Resultat wirkt einem monochromen Mosaik nicht unähnlich.

Malerisch ist die Arbeitsweise von Khaisman: Das Klebeband wird wie mit breitem Pinselstrich auf die Fläche aufgebracht. Der Künstler lässt hier seinen spontanen Eingebungen freien Lauf und folgt gleichzeitig den Strukturen der fotografischen Bildebene. Diese wird im Schaffensprozess nach und nach vom Klebeband rhythmisiert und mit ungewöhnlicher Tiefe auf Grundschemen vereinfacht.

Die Motivwahl des Künstlers zeigt erzählerische und klassische Elemente. Filmszenen ähnliche Grundmotive stehen neben den Abbildern römischer Charakterköpfe, die das Zitathafte von Khaismans Kunst auf die Spitze treiben. Der in Moskau ausgebildete Künstler und Architekt lebt heute in Philadelphia, USA. Er baut seine Werke, verschiedenen kulturellen Inspirationsquellen folgend, auf der Wirkung des schattierten und gefilterten Lichts auf. Seine Themen sollen universal verständlich sein – nicht zuletzt deshalb wählt er ein "Medium", das weltweit tagtäglich im Gebrauch ist und führt es souverän in die Sphäre der Kunst ein.

Horst Kloever

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