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FLÜSSIGES LICHT



Mit bunten geometrischen Formen spielt Marcus Davies Themen durch, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Er experimentiert mit einer Petrischale, wie man sie aus dem Chemieunterricht kennt, zeigt abstrakt die Konstellationen eines Fußballspiels auf und schafft Collagen aus Blattwerk, die wie geröntgt wirken. Indem er auf ganz eigene Art verschiedene Farbfelder miteinander kombiniert und spielerisch mit Kreis oder Quadrat umgeht, schafft er bemerkenswert organische Bilder, die das Eigentliche der behandelten Themen bewahren und sogar verstärken.

Dieser fast humorvolle Umgang mit Farbe und Form appelliert dabei immer an die Fantasie des Betrachters, eine Verbindung zum abstrakt Interpretierten herzustellen. Er bezieht sich mit seinem farbigen Werk auch direkt auf die Malerei seines Vaters Thomas Nathaniel Davies (geboren 1922), einem bekannten modernen Waliser Maler.



Marcus Davies begann 1998 in der Serie „Rhus Cotinus“ mit Farbfotografie zu arbeiten. Der Künstler geht folgendermaßen vor: Er schneidet Formen aus Acetat, einem sehr transparenten und leicht zu färbenden Kunststoff, und wählt Blätter des Gelbholzsumach (Rhus Cotinus), eines Baumes, der sich durch seine einfache, umgekehrt eiförmige Blattform auszeichnet. In einem nächsten Schritt stellt Davies die gewünschte Komposition zusammen. Wichtig sind ihm hierbei die physischen Akte selbst: Das Ausschneiden und das Collagieren.

In seiner folgenden Serie, die in Anlehnung an die wissenschaftliche Experimentierschale den Titel Petri trägt, interessiert Davies insbesondere die Bewegung des Lichts durch verschiedene Flüssigkeiten hindurch: "Ich habe Petri- und Tintenschalen benützt, um sowohl die Flüssigkeit als auch die formale Ästhetik fassen zu können."

Die Farbaufnahmen von Fußballspielen, die den Titel „Filmwork“ tragen und alten Schmalfilmen entnommen sind, vermitteln dank ihrer zellenartig anmutenden Abstraktion eine Dynamik und Variation der Bewegung, die in einem konkreten Bild des Ballsports nicht besser zum Ausdruck kommen würde.

Im Unterschied zu seinen bekannten, kontrastreichen Schwarz-Weiß-Fotografien interessiert Marcus Davies am Umgang mit der Farbe vor allem der physische Akt des Gestaltens, der dem des Abbildens vorangeht. So zeichnen sich Davies' Farbfotografien durch den stark unterschiedlichen Gebrauch von Form, Materie und Farbe aus, die sich harmonisch zu einem stimmigen Ganzen verbinden.

Horst Kloever

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