- Meanwhile
- Einführung
- Vita
- Ausstellungen
- Publikationen
Die Schönheit des Subjektiven
Die Wahrnehmung und das subjektive Erleben stehen im Zentrum der Arbeiten von Marc Volk. Da sich seine Experimentierlust zwischen den Extremen von Gegensätzen abspielt, sind die Dimensionen weit gespannt. Reine Landschaftsaufnahmen, nächtliche Städteansichten kontrastieren mit sonnenüberfluteten Urlaubsparadiesen und den abstrahierenden Nahaufnahmen eines Aktes. Volks Fotografien sind subjektive Kommentare, sinnliche Beobachtungen aber auch humorvolle Nachforschungen, in deren Fokus immer der Mensch und seine Beziehung zur Umwelt steht. Das Ensemble bonbonfarbener Plastikschirme und Grüppchen stehender Leute vor einem irreal blassblauen Meer ergibt eine Szenerie wie aus dem Playmobilkatalog. Auch der Kontrast der faszinierenden Naturkulisse zur leidenschaftslosen Neugier der herumstehenden Urlauber in „Leisure II“ könnte nicht größer sein. Auf den ersten Blick ist die scheinbare Künstlichkeit dieser Szenen verwirrend. Künstlich oder befremdend ist jedoch weniger die Fotografie, die analog entstand, sondern das setting in dem die Menschen Entspannung und Abstand zum Alltag suchen. Aus der Distanz des erhöhten Standpunkts lässt der Fotograf die Welt wie ein Spielzeugmodell aussehen und die Menschen, ihrem Kontext entrissen, geben nur noch Statisten ab. Marc Volks künstlerische Arbeit findet ihre Motivation darin, anhand von neu gefundenen Ausschnitten das Erleben der Welt in der Fotografie nachvollziehbar zu machen. Zuerst wählte er die Ausschnitte ganz formal, durch den Sucher der Kamera. Statt die Weite Australischer Landschaften im horizontalen Format zu imitieren, holt er sie an den Betrachter ran und macht sie in extremen Vertikalbildern, die geradewegs vor seinen Füßen anzusetzen scheinen, erlebbar. Der Eindruck unendlicher Weite wird mit dem Hinweis auf die Distanz korrigiert – denn erst das physische Erfassen der Distanzen erlaubt eine annähernde Einschätzung der Weite. Später wählte er seine Ausschnitte anders, achtete verstärkt auf neue Inhalte und wählte statt des Tags die Nacht. Mit Vorliebe fotografiert er nachts, weil die Dunkelheit selbst schon die Dinge reduziert. Aufnahmen nächtlicher Stadtlandschaften mit ihren netzartig über die Fläche sich ausbreitenden Lichtern, wie in „Berlin Panorama“, oder mit in die Höhe schiessenden, leuchtenden Fenstern liebäugeln mit der Möglichkeit auch abstrakt aufgefasst zu werden. Das Rätselhafte und Uneindeutige noch über das Wiedererkennen des Motivs hinaus zu bewahren, ist der Wunsch des Fotografen.
Experimentieren und Erleben
Mit der Nachtbilder Serie „Aus der Dunkelheit“ erlangte der Absolvent der Essener Universität erste Aufmerksamkeit. Die Diplomarbeit entstand zwischen 1996 und 1998, nachdem sie ihn auf Reisen durch die ganze Welt geführt hatte. Was er in den Metropolen Südamerikas und Asiens, mit Vorliebe in Hongkong, erprobte, wendete er auch in Deutschland an. So steht der Mond mal über Caracas („Darkness III“) oder die Fenster eines Hauses in Essen leuchten geheimnisvoll aus der Dunkelheit („Darkness III“). Aber die Stadtlichter, die der Nebel oder Smog hinter dem Haus reflektiert, eröffnen einen neuen Effekt: auf einmal geht es nicht mehr um die malerischen Farbtupfer, die im Nichts schweben, sondern das Haus selbst, in anderen Arbeiten meist unsichtbar, erhebt sich als glimmendes Skelett vor schwelendem Dunst. Solche Unbestimmtheiten und Vexierspiele finden sich auch in den drei Akten Ohne Titel I bis III. Die auf den ersten Blick abstrakten Farbflächen nehmen mit der Zeit Form an. Ein Schlüsselbein, ein Bauchnabel und eine Wirbelsäule schälen sich als schwache Formen aus der Farbfläche heraus. Seine Experimente mit Filmen und Kameras, hier der Polaroid, sind sicherlich noch längst nicht abgeschlossen. Marc Volk räumt dem Subjektiven in seinen Arbeiten einen großen Platz ein. Obwohl Parallelen zu den Arbeiten aktueller deutscher Photoheroen aus der Düsseldorfer Schule sichtbar sind, haftet seinen Arbeiten die größere Authentizität eines individuellen Erlebens an. Sein Ansatz ist mehr der eines Aufspürens und Interpretierens. So sind es meist die Motive, die ihn finden, und weniger er, der sich auf die Suche nach konkreten Bildern macht. Seine bildnerische Präferenz bleibt, trotz aller Anleihen an das Graphische und Zeichenhafte, das sich vor allem in den Nachtbildern zeigt, eine malerische. Marc Volk gehört damit zu den Vertretern einer Kunst, die seit kurzem den sperrigen Ästhetiken sämtlicher Anti-Kunst den Mut zu Schönheit und sinnlich-anschaulicher Narration entgegensetzen.
Neue Arbeiten - Meanwhile
Eine mögliche Definition von Chaos ist Gleichzeitigkeit. Exakte Beobachtungen sind immer nur an einem Ort zu einer Zeit möglich. Die Komplexität der Welt ist aber dadurch gekennzeichnet, dass alles gleichzeitig stattfindet und sich einer genauen Beobachtung entzieht. Die Fotografie ist in der Lage, das Chaos der Gleichzeitigkeit in ein Nebeneinander umzuwandeln. Gleichzeitig getätigte Aufnahmen können in eine Beziehung gebracht werden, die ein ruhiges Betrachten ermöglicht. Mit Hilfe von Fotografie also können Beobachtungen gemacht werden, die die Wahrnehmung erweitern und somit das Bild von der Welt bereichern. Öffentliche Orte bieten sich aufgrund ihrer Größe und Belebtheit als Metaphern für das Chaos der Welt an. Von einem erhöhten Standpunkt fertigt Marc Volk (*1967) ein Übersichtsfoto an, das als Ausgangsmaterial für Ausschnittsvergrößerungen dient. Diese zeigen verschiedene Situationen, die zwar gleichzeitig stattgefunden haben, aber erst durch die Fotografie nebeneinander wahrgenommen werden können. Die deutlichen Spuren der digitalen Bearbeitung stützen die Idee von der konstruierten Wirklichkeit.
























