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"Leni Riefenstahl stellt (...) ein Problem dar, weil man ihre Filmästhetik zwar moralisch wie ästhetisch ablehnen kann, aber dennoch zugeben muss, dass sie damit auch das visuelle Denken unseres eigenen Zeitgeistes nachhaltig geprägt hat. Ihre Wirkung allein macht sie zu einer der bedeutenden Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, wird ihre Bildsprache doch in den unterschiedlichsten Medien zitiert und weiterentwickelt: in Johann Kresniks Tanztheater, in der Pop-Art Andy Warhols, in George Lucas' Star Wars wie auch im Sportfilm und der Werbeästhetik."

Elisabeth Bronfen ("Triumph der Verführung", Die Zeit, Nr. 42, 19.10.2000)


Als Editeur steht man unweigerlich vor der Frage, ob man Werke Leni Riefenstahls zeigen sollte. Leni Riefenstahl zählt zu den bekanntesten aber auch umstrittensten deutschen Künstlerinnen des letzten Jahrhunderts. Insbesondere ihre Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus, von der sie sich nie öffentlich distanziert hat, macht sie zu einer problematischen Persönlichkeit unserer Geschichte. Dennoch wurde ihr Werk international immer wieder gewürdigt und ihr Einfluss auf spätere fotografische Generationen ist unumstritten. Aus diesem Grund ist eine Auseinandersetzung mit ihren Arbeiten im fotografiehistorischen Kontext unumgänglich. Ihre Biographie kann und soll dabei nicht mit ihrem Werk aufgewogen werden: ganz im Gegenteil, die Präsentation ihrer Fotografien sollte immer zu einem kritischen Diskurs anregen.

1902 in Berlin geboren, wurde sie zunächst Tänzerin, dann Schauspielerin, später Filmregisseurin. Ab 1960 wandte sie sich der Fotografie zu, der sie bis in ihr hohes Alter treu blieb. Zunächst galt ihr Interesse den sudanesischen Nuba, einem nordostafrikanischen Stamm, dessen Leben und Kultur sie in drei beeindruckenden Bildbänden beschrieb. Stets mit mehreren Kameras, Objektiven und neuesten Farbfilmen ausgestattet, näherte sie sich der Sprache und den Riten der Nuba in langen Aufenthalten. Ihre Porträts von den mit weißer Asche geschminkten Kriegern mit den rätselhaften schwarzen Gesichtsbemalungen geben einen unvoreingenommenen Blick zu erkennen, der sich überaus fasziniert der fremden Kultur hingab. Der Betrachter kann sich der Ausstrahlungskraft der Bilder nur schwer entziehen, wenngleich die Aufnahmen hohen dokumentarischen Wert besitzen. Insbesondere der "Njertun"-Ritus, eine Art Liebes- und Hochzeitstanz, entfaltet in ihren Bildern eine außergewöhnliche visuelle Kraft. Nutzen die jungen Tänzerinnen den Ritus doch zur anschließenden Auswahl ihres zukünftigen Mannes. Die ausdrucksstarken Tänze beeindruckten die ehemalige Tänzerin Leni Riefenstahl nachhaltig. Ein Teil dieser Arbeiten wurde 1975 als "Beste fotografische Leistung des Jahres" mit einer Goldmedaille des Art Director's Club Deutschland prämiert. Im Alter von 71 Jahren entdeckte sie die unendliche Farbenpracht von "Korallengärten". Um sie umfassend fotografisch zu erkunden, lernte sie sogar noch das Flaschentauchen. Ihre Aufnahmen, die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changieren, beweisen erneut ein feines Gespür für sinnliche Formen und harmonische Bildkompositionen.

Weitere Information zu Leni Riefenstahl, zu ihrer künstlerischen und historischen Einordnung finden Sie unter: Weitere Kontexte.

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