- Desire & Deceit
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Joe McDermott: Von Täuschung und Begierde
Die Sekunde eines Augenaufschlags für die Ewigkeit eingefroren, Tränen riesenhaft vergrößert, ein Kuss in Nahaufnahme. Alles ist überdimensioniert, übertrieben, in comic-hafter Zeichnung vereinfacht. Und doch scheinen gerade die Emotionen, die sonst eher im Verborgenen wirken, in den vom Comic und der Pop Art inspirierten Bildern Joe McDermotts ihren adäquaten Ausdruck zu finden.
In seiner Serie über Täuschung und Begierde regieren ganz die großen emotionalen Gesten: sehnsuchtsvolle Blicke, innige Umarmungen, Verzweiflung und Enttäuschung. „Inspirieren lasse ich mich von einer sehr dramatischen Situation oder einer absurden Äußerung, dann versuche ich zu visualisieren, wie Leute darauf reagieren würden.“ Entstanden sind daraus Ikonen einer retro-inspirierten neuen Pop Art.
Dabei orientiert sich der Illustrator Joe McDermott an den Comic-Art-Künstlern der 1950er und 1960er Jahre. Unverkennbare Vorbilder der Kunstgeschichte sind für ihn die frühen Arbeiten des Pop-Art-Altmeisters Roy Lichtenstein. Während Lichtenstein den Comic für die Malerei nutzte, erstellt McDermott seine Illustrationen ausschließlich digital, kreiert seine Figuren allesamt am Computer.
Doch der Bezug zu Roy Lichtenstein reicht weiter, er ist nicht nur inhaltlicher, sondern auch technischer Natur. Auffallend sind die grob gerasterten Punkte in McDermotts Illustrationen, eine Anspielung an die sogenannten Benday Dots, eine Drucktechnik, bei der aus kleinen, in Primärfarben gedruckten Punkten Flächen einer anderen Farbe entstehen. Comicbuch-Labels nutzten diese Technik in den 1950er und 1960er Jahren erstmals für die kostengünstige Erzeugung von Schattierungen und Sekundärfarben. Kunstgeschichtlich relevant geworden sind diese typischen Punkraster eben durch Roy Lichtenstein, der diese Technik in die Malerei übersetzte.
McDermott schreibt sich in diese Tradition ein. Indem er seine Bilder am Computer entwirft, transferiert er diese Form der Bildgestaltung als Relikt überkommener Drucktechniken wiederum in das digitale Zeitalter – unsere Gegenwart. Auf diese Weise inszeniert McDermott ein komplexes und beziehungsreiches Spiel aus Comic Art, Pop Art und modernen Bildtechniken.
| 1980 | geboren in Red Bank, New Jersey, USA |
| 1998-2002 | Studium der Kunstgeschichte, Messiah College, Grantham, Pennsylvania, USA |
| seit 2010 | arbeitet als Illustrator |
| lebt und arbeitet in Philadelphia, USA |
























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