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Der stille Blick für das Wesentliche
Seit den fünfziger Jahren gilt sie als eine der bedeutendsten Porträtfotografen Großbritanniens: die 1925 in Dorset geborene Jane Bown. Alle wichtigen Persönlichkeiten ihrer Zeit hat sie porträtiert: Künstler wie Francis Bacon und David Hockney, Schauspieler und Regisseure wie Woody Allen und Dennis Hopper, Modeschöpfer wie Vivienne Westwood, Musiker wie die Beatles und Björk und politische Größen wie Richard Nixon, Margaret Thatcher und die Queen. Ihr erstes Porträt, das ihre über sechzigjährige Zusammenarbeit mit dem Observer begründete, machte sie 1949 von dem Philosophen Bertrand Russell. Sein markantes Profil tritt, stillen Stolz ausstrahlend, in scharfen Schwarz-Weiß-Kontrasten markant aus einem abstrakten Hintergrund hervor.
All ihre Porträts zeugen von äußerster Konzentration. Ihre einfachen Mittel hat sie bis zum heutigen Tag nicht verändert: kein künstliches Licht, keine Requisiten, keine Assistenten, keine Farbe, noch nicht mal einen Belichtungsmesser verwendet sie. „Ich betrachte nur immer das Licht auf meinem Handrücken und berechne es auf diese Art.“ Mit zunächst einer Rollei, dann einer Pentax und schließlich einer Olympus, die sie bis heute verwendet, entwickelte Jane Bown ihren unverwechselbaren Stil: Sie konzentriert sich meist auf den Kopf ihres Gegenübers, besonders auf die Augen, und isoliert ihn vor einem unspezifischen Hintergrund. Auf diese Weise perfektioniert sie mit der Zeit ihre minimalistische Fotografie zu technischer und kompositorischer Vollkommenheit.
In einem der seltenen Interviews wurde Jane Bown gefragt, ob sie mit Richard Avedon einer Meinung sei, wenn er sagt, dass die meisten Fotografien zwar sehr präzise seien, aber die wenigsten die Wahrheit widerspiegeln. Nach kurzem Zögern antwortete Jane Bown: „Ich denke, meine Bilder tun das“. Nach ihrem Selbstverständnis sollte ein Fotograf unsichtbar sein, den richtigen Moment abpassen können: „Die besten Bilder kommen unvorhergesehen. Ganz plötzlich tauchen sie auf. Eben noch sind sie da und im nächsten Augenblick verschwunden. Es ist ziemlich einfach, ein Foto zu machen, aber sehr schwer, ein gutes Bild zu bekommen.“ Für ein gutes Bild tat sie fast alles, wie etwa im Fall von Richard Nixon: Der Auftrag kam spät, alle anderen Journalisten waren schon da und versperrten ihr die Sicht. Da blieb ihr nichts anderes übrig, als auf die Knie zu gehen und aus dieser Haltung ihr Bild zu schießen. Das erste gelang nicht, Nixon fragte: „Haben Sie es?“ Sie verneinte. Er warf sich wieder in Pose und fragte: „Haben Sie es?“ Und da hatte sie es.
Meist hatte sie nur zehn Minuten Zeit für ihre Aufnahmen, das erforderte Präzision und schnelle Auffassungsgabe und für eine scheue Person wie Jane Bown ein hohes Maß an Entschlossenheit. Als sie Dennis Hopper 1982 im Savoy aufsuchte, marschierte sie schnurstracks in sein Hotelzimmer und nahm die Situation in Augenschein. Innerhalb von Sekunden hatte sie ihre Bildidee und mit nur wenigen Aufnahmen ihr Porträt: Der Schauspieler, rauchend mit Hut, vor einem Spiegel. Samuel Beckett wollte aus Zeitmangel den Fototermin mit ihr absagen, doch Bown ließ sich nicht abwimmeln und passte ihn am Bühnenausgang ab. Mit nur fünf Aufnahmen machte sie ihre unvergesslichen Porträts von ihm. Eine große Würdigung fand ihre Arbeit 1995, als die National Portrait Gallery ihr unter dem Titel „The Gentle Eye“ eine umfassende Werkschau mit Katalog widmete. 1995 wurde ihr ein britischer Verdienstorden für ihre herausragende Leistung im Bereich der Fotografie verliehen. Mehrere Publikationen, darunter der im Jahr 2000 erschienene Bildband „Faces“, dokumentieren ihre Arbeit.
Geraldine Blum
| 1925 | Geboren in Dorset |
| Jane Bown studierte Fotografie an der Guildford School of Art, Surrey (1946-1950). Im Januar 1949 begann sie für die britische Zeitung Observer zu arbeiten und ihr erstes veröffentlichtes Foto war das Portrait Bertrand Russels, das im selben Monat noch in der Zeitung abgebildet wurde. Nachdem sie 3 Jahre lang in Farbe für das Observer Colour Magazine fotografierte, was sie nie wirklich mochte, kehrte sie 1964 zur Schwarz-Weißfotografie zurück. Ihre umfangreichen fotojournalistischen Arbeiten umfassen Serien über die Sinit und Roma, Greenham Common Evictions und im Jahr 2002 eine Serie über das Glastonbury Festival. Porträt saßen ihr u.a. Björk, Queen Elizabeth II, Jean Cocteau, Samuel Beckett, Orson Welles, David Hockney, Sir John Betjeman, Jayne Mansfield und The Beatles. | |
Auszeichnungen (Auswahl)
| 1995 | Barry Award, 1995 |
| 1995 | What the Papers Say, 1995 |
| 1995 | CBE, 1995 |
| 1986 | DLitt Bradford, 1986 |
| 1985 | MBE, 1985 |
Sammlungen (Auswahl)
| National Portrait Gallery, London |
| Palace of Westminster, London |
| Buckingham Palace, London |
| The Royal Ballet School, London |
Ausstellungen (Auswahl)
| | Einzelausstellungen (Auswahl) |
| 2007 - 2008 | 'Unknown Bown 1947-1967' The Newsroom, London |
| 2003 | 'Rock: 1963-2003', The Newsroom, London |
| 1980 - 1981 | 'The Gentle Eye', National Portrait Gallery, London |
| Gruppenausstellungen (Auswahl) | |
| 2007 | How We Are - Photographing Britain, Tate Britain, London |
LINKS
www.guardian.co.uk
Weitere Infos:
www.guardian.co.uk
Bücher/Kataloge (Auswahl)
| 1980 | 'The Gentle Eye', 1980 |
| 1986 | 'Women of Consequence', 1986 |
| 1987 | 'Men of Consequence', 1987 |
| 1988 | 'The Singular Cat', 1988 |
| 1991 | 'Pillars of the Church', 1991 |
| 2000 | 'Faces: The Creative process Behind Great Portraits, 2000 |
| 2003 | 'Rock: 1963-2003', 2003 |
| 2007 | 'Unknown Bown', 2007 |
| 2009 | ‘Exposures’, 2009 |
























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