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  • David Never Felt Such Sorrow
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Jan Wandrag, 1976 in Süd-Afrika geboren und in den USA lebend, benennt seine Arbeit selbst als "non-straight street photography". Und non-straight ist sie in doppeltem Sinn, denn zum einen schert sie sich nicht um ein visuelles Ethos von purer, direkter, unmanipulierter Fotografie, zum anderen etabliert sie einen schwulen Blick. Die Jungs, die Wandrag im urbanen Kontext New Yorks bannt, haben nach diesem unfreiwilligen und oftmals unbemerkten "Casting" ihren Zweck erfüllt: Sie haben Abbilder geliefert, die nun in Bildgeschichten ein Eigenleben beginnen können. Wandrag schafft aus flüchtigen Versatzstücken, die er auf der Strasse aufliest, mit Hilfe des Computers voellig neue Szenarien, wie etwa eine aktualisierte Version der biblischen Geschichte von David und Jonathan. Diese Liebe zwischen zwei jungen Männern, die sich gegen alle familiären Widerstände behauptet, die die erzwungene Trennung übersteht und erst mit Jonathans frühem Tod in einer Schlacht ihr Ende findet, hat zeitlos tragische Dimension. Sie kann und wird sich jederzeit wiederholen. Indem Jan Wandrag sie bewusst im Mainstream treiben lässt und mit gefälligen Model-Gesichtern ausstattet, gelingt ihm ein entstaubter und säkularisierter Blick auf überraschend menschliche Ebenen, die man der Bibel abgewinnen kann, ist sie einmal befreit vom Ballast weltweiter und all sonntäglicher Auslegungen. Ob sich der Vatikan mit derartigen Illustrationen jener "Liebe, die wunderbarer als Frauenliebe ist", anfreunden wird, bleibt allerdings fraglich. Jan Wandrag wird das wenig kümmern, denn erst in der Profanisierung entfalten seine Bilder ihre Vitalität und machen neugierig auf weitere selbstverständlich-respektlose Visualisierungen heiliger Schriften.
 
Dr. Boris von Brauchitsch

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