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GERMAN SYMPHONY



"Die Natur ist eine versteinerte Zauberstadt..." schrieb einst der romantische Dichter Novalis. Horst und Daniel Zielske aus Göttingen fotografieren seit 1993 gemeinsam. Mutet es nicht beinahe romantisch – im historischen Sinne des Wortes – an, wenn Vater und Sohn sich zu einer fotografischen Deutschlandreise aufmachen? Wenn sie unter dem Titel "German Symphony" Bilder von der Nordsee, von Rügen, vom Elbsandsteingebirge und vom Eichsfeld zurückbringen, deren Intensität in Abgrenzung zum Lärm des heutigen Lebens irgendwie fast trendig, irgendwie für die Jetztzeit genau richtig wirkt?

"Für unsere Gefühlsseligkeit in Bezug auf die Natur haben die Romantiker Platz geschaffen. Wenn man heute eine Mondnacht sieht, ist es schwer, keine Bilder von romantischen Malern wie Caspar David Friedrich im Kopf zu haben oder keine Sprachbilder, die etwa von Eichendorff stammen: «Es war, als hätte der Himmel die Erde still geküsst.» Zumindest Menschen, die mit Literatur noch Verbindung pflegen, sind angefüllt mit Bildern, die aus der Romantik stammen."

Rüdiger Safranski, Autor des Buches "Romantik. Eine deutsche Affäre"



MEGALOPOLIS SHANGHAI

Wie sollen wir aus dem Westen verstehen, was in Shanghai wirklich vor sich geht? Wie nachvollziehen, dass eine Stadt innerhalb kürzester Zeit zu einer der bedeutendsten Metropolen aufsteigt, wir, die wir doch noch immer verhaftet sind in Dimensionen der Stadtentwicklung, welche mit "Zentrum", "Altstadt", "Piazza" oder "Dom" verbunden sind. "Shanghai ist Zivilisation im Zeitraffer, eine Fortschrittsphantasmagorie aus Stein und Stahl, die Erschaffung einer neuen Stadt aus sich selbst, errichtet von zwei, drei, vier Millionen Wanderarbeitern für fünfzehn, zwanzig, dreißig Millionen Menschen", wie der Reiseredakteur der FAZ, Jakob Strobel y Serra, über diese Bilderserie von Vater und Sohn Zielske im Buch mit den Shanghaibildern schreibt.

Vielleicht erahnen wir, was vor sich gehen mag, was die Menschen selbst erleben im rasenden Wandel, wenn wir beim Betrachten dieser dicht mit Symbolen und Widersprüchen beladener Bilder Richard Strauss hören? In seiner musikalischen Versinnbildlichung von Nietzsches "Also sprach Zarathustra" lässt Strauss uns in seiner berühmten Steigerung vom Leisen ins Erhabene die Dimensionen unserer Existenz erahnen, verkörpert in der musikalischen Umsetzung eines Sonnenaufgangs. China, das Land, in dem die Sonne aufgeht? Gewiss, doch folgen wir der Analogie zum "Zarathustra", so spüren wir unversehens auf das Unheimliche, die Sehnsucht genau so wie die Bedrohung, die Heiterkeit ebenso wie die Gleichzeitigkeit des Guten und des Bösen, die ewig sich reibenden Kräfte von Natur und Kultur und Zivilisation.

In etwas nüchterneren Worten ausgedrückt, gelingt es Vater und Sohn Zielske, mit einigen Kamera-"Pinselstrichen" ein Bild zu zeigen von einer Megalopolis, die unseren Kulturkreis eindringlich ermahnt, dass wir im Westen nicht die einzigen sind, welche Wirtschaftsmacht sein wollen. Mit all dem Lohn und Preis, den ein solches Streben notwendig mit sich bringt.



MODERN TURNER


Inspiriert von dem englischen Landschaftsmaler William Turner (1775-1851) folgten Horst und Daniel Zielske über einen Zeitraum von vier Jahren den Reiserouten dieses Visionärs der Romantik durch acht europäische Länder. Damit stellen sie einen Bezug zu den Arbeiten ihrer vorherigen Serie „German Symphony“ her, in der sie sich intensiv mit der Bildsprache der deutschen Romantik, insbesondere Caspar David Friedrichs (1774-1840), auseinandersetzten. Dessen eindringliche Landschaftsbilder der deutschen Ostseeküste, der Kreidefelsen von Rügen und des Elbsandsteingebirges, prägen unser Bild der Romantik bis heute.


Nun wenden sie sich in dem Zyklus „Modern Turner“ einem der wohl berühmtesten britischen Maler zu. Sie suchten die Orte seiner Motive auf, um eine andere, neue Sicht auf die von ihm in dramatischen Bildern festgehaltenen Städte, Landschaften und Seestücke zu gewinnen. Diese stellen sich heute, im 21. Jahrhundert durch das Vorhandensein neuer Gebäude, Straßen und Verkehrsmittel dem Auge des Betrachters zum Teil anders dar, entfalten jedoch durch die fotografischen Mittel der Zielskes ihren eigenen unverwechselbaren Reiz.


Vater und Sohn erarbeiteten eine Serie von insgesamt 56 Motiven, die sich alle an der Perspektive des „Meisters des Lichts“ orientieren, gleichzeitig aber auch eine ganz eigene, dem jeweiligen Ort angepasste Farbigkeit entwickeln und sich dadurch konträr zu dessen Malerei verhalten. Dabei wurde teils analog, teils mit digitaler Technik gearbeitet und zu einer zeitgemäßen Bildsprache gefunden. Die Arbeit an dem Bilderzyklus „Modern Turner“ spannt einen Bogen vom sachlich dokumentarischen bis hin zum romantischen Geist des frühen 19. Jahrhunderts. Sie begann 2007 und soll mit einer Buchpräsentation ihren Abschluss finden.

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