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Malen lassen

Landschaft ist für Holger Bär ein vielfältiges Motiv, um es in seiner unverwechselbaren Handschrift zu bearbeiten. Alpenpanoramen sowie Parklandschaften aus internationalen Städten wie New York oder Shanghai entstehen mit horizontal arbeitenden Malmaschinen, die Farbpunkte nach seinen exakten Berechnungen setzen.

Holger Bär ist ein Bildverwandler, er will uns keine falsche Ästhetik vortäuschen, sondern gestaltet faszinierende Oberflächen, deren Entstehung wir nur erahnen. Flirrende, aus unzähligen Farbpunkten entstehende Naturszenerien setzen Impressionen, die teils sogar an einen pointillistischen Stil erinnern. Nähert man sich der Bildoberfläche sind die Farbpunkte als Raster auszumachen, mit dem nötigen Abstand vom Bild wirken sie wie phantastisch gestreute Licht- und Farbeffekte und reflektieren eine lebendige optische Mischung.

Ob Holger Bär mit Fotovorlagen, eigenen Fotos oder medialem Material arbeitet, es entstehen Wirklichkeiten und Bildrealitäten, die eine  irritierende bis faszinierende Ästhetik provozieren. Holger Bär plant die Farbpalette, begrenzt das Spektrum, die Größenverhältnisse und Formate und kontrolliert den Duktus und die Texturen auf den Bildern.

Die authentische Wiedererkennbarkeit seiner Werke ist die in feinen Linien getupfte Optik, die von Ferne so bestechend räumlich wirkt. Tatsächlich vermutet man nicht unbedingt eine Maschine als Urheber, denn Holger Bär hat bis ins kleinste Detail helle Lichtpunkte und Tiefenwirkung bedacht. Obwohl die Farben reduziert sind, ist ihr Verlauf nie absolut regelmäßig. Holger Bär verlangt keine absolute Perfektion und schon die Künstlerin Rebecca Horn meinte über ihre Rätsel- und Malmaschinen der siebziger Jahre: "Meine Maschinen sind keine Waschautomaten. Sie sind nervös und müssen manchmal innehalten. Wenn eine Maschine nicht mehr weiterläuft, bedeutet das nicht, dass sie kaputt ist, sie ist nur erschöpft. Der tragische und melancholische Aspekt der Maschinen ist mir wichtig. Ich will gar nicht, daß sie ewig funktionieren.

Holger Bär steht in einer Reihe von künstlerischen Tüftlern wie etwa Jean Tinguely, der 1959 eine Malmaschine entwickelte, die er liebevoll und voller Respekt für ihre Leistung „Metamatics“ taufte. Bär ist selbst im medialen Zeitalter die Unverwechselbarkeit seines Stils wichtig und so ist nicht unbedingt nur das eigenwillige Entstehen seiner Werke von Bedeutung, sondern ihre besondere Oberfläche – sei es Leinwand oder feinstes Hahnemühle-Papier.

Christina Wendenburg

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