- Cut-Outs
Einführung
Vita
ORNAMENT DES IMAGINÄREN
Think Big – dieses Motto lässt sich nicht nur auf die Größe der Cut-Outs der Malerin Gabriele Basch übertragen. Mit 80 x 80 und 98 x 98 cm sprengen sie zum einen den Rahmen einer filigranen Schnittarbeit, wie man sie in solch einer Präzision eher bei miniaturhaften Spitzenbildern vermuten würde. Die Cut-Outs befassen sich zum anderen mit nichts Geringerem, als dem größten Paradox der abendländischen Bildkultur: die Überblendung von Raum und Fläche. Doch handelt es sich hier nicht um eine bloße Thematisierung dieses Wiederspruchs. Basch geht noch einen Schritt weiter, indem sie das Paradoxon auf beeindruckende Weise auflöst.
Der Verweis auf Ornamentik stellt den Schlüssel zum künstlerischen Konzept Baschs dar. In der romanischen Kunst vollzog sich um 1000 n.Chr. eine Ornamentierung der Fläche. Abstraktionen von Körper und Raum wurden in der Malerei dieser Zeit in streng eingegrenzten Feldern gefasst. Vergessen schienen die Versuche perspektivischer Darstellungen der byzantinischen Kunst, denen noch der buchstäbliche Rahmen fehlte.
Der vermeintliche Rückschritt zu einer auf Flächigkeit in der Darstellung ausgerichteten Kunst war jedoch notwendig, um der Zentralperspektive der Renaissance den Weg zu bereiten. So zumindest beschrieb es einer der größten Kunsttheoretiker des 20. Jahrhunderts, Erwin Panofsky. Denn erst als Raum und Fläche untrennbar zusammen gebracht wurden, war es möglich eine überzeugende Raumillusion nach linearperspektivischen Regeln zu schaffen.
Basch nimmt eine bewusste Trennung von Raum und Fläche vor, doch verzichtet sie dabei nicht auf die individuellen Merkmale des Ornaments. Die Rahmung bildet nun die Wand des Ausstellungsraums, jedoch nicht auf der gleichen Ebene mit den ornamenthaften Scherenschnitten. In Baschs Arbeiten stößt das Ornament in den Raum hinein. Doch geben die Schnittformen, die bisweilen an Kaligrafien erinnern, der weißen Wand weiterhin eine klare Strukturierung. Die weiß lackierte Oberfläche der annähernd 98 x 98 cm großen Arbeit aus Aluminium ist an der gleichfarbigen Wand erst durch den dezenten Schattenwurf bestimmbar, der sich aus einem geringen Abstand zur Wandfläche ergibt. Die Kaschierung des materiellen Charakters der Schnittform durch ein Weiß auf Weiß verlagert das Motiv der drei Motten in seiner Zeichenhaftigkeit auf einen gänzlich symbolischen Gehalt. Allein der im Ausstellungsraum positionierte Betrachter kann ihm mit seinen Assoziationen, Gedanken und Empfindungen Bedeutung geben.
Auch die andere Arbeit Baschs nutzt die Dreieckskonstellation von Fläche, Raum und Betrachter auf ganz spezielle Weise. Da die Rückseite der 80 x 80 cm großen Rombe rötlich gestaltet wurde, lassen Reflexionen die Wand in einem entsprechenden Farbton schimmern. Die Wände sind Medium und Projektionsfläche einer Imagination des Betrachters zugleich. Dieser konstruiert aus Zeichen und symbolischen Formen, aus Ausstellungsraum und Fläche, einen eigenen übergeordneten Raum. Der Betrachter wird selbst ein unverzichtbarer Komplize der Arbeiten Baschs und schafft in seiner Vorstellung einen in sich schlüssigen Ort, in dem das Paradoxon der flächigen Räumlichkeit aufgehoben ist.
David Gärtner
| 1964 | geboren in Bad Homburg, Deutschland |
| 1989 | Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes |
| 1993 | Erasmus-Stipendium am Royal College of Art, London, UK |
| 1996 | Preisträgerin beim Wettbewerb "Übergänge", Berlin, Deutschland |
| Arbeitsstipendium des Senators für kulturelle Angelegenheiten, Berlin, Deutschland | |
| 1996-1998 | Lehrauftrag an der HdK Berlin, Deutschland |
| 1997 | Stipendium für das Mecklenburgische Künstlerhaus Schloß Plüschow, Deutschland |
| 1998 | Stipendium für die Künstlerstätte Schloß Bleckede, Deutschland |
| 1999 | Preisträgerin beim Kunstpreis der GrundkreditBank eG - Köpenicker Bank, Berlin, Deutschland |
| Lehrauftrag an der Svenska Yrkeshögskolan, Nykarleby, Finnland | |
| 2000 | Stipendium des Kunstfonds e.V., Bonn, Deutschland |
| 2001 | Civitella Ranieri Fellowship für Umbrien, Italien |
| 2004 | Auslandsstipendium des Berliner Senats für Istanbul |
| 2005 | Deutsche Akademie Villa Massimo Rom, Italien |
| Katalogförderung der Stiftung Kunstfonds e.V., Bonn, Deutschland | |
| lebt und arbeitet in Berlin, Deutschland |
























Bei allen Online-Bestellungen bei LUMAS garantieren wir Ihnen ein 14-tägiges Rückgaberecht