- Selection
- Einführung
- Vita
- Ausstellungen
- Weitere Kontexte
Ein Klick ist nicht genug
Claudio Pfeifer (*1978) ist unermüdlich unterwegs zwischen bewegten und stillstehenden Bildern, zwischen Fotos, die dazu neigen sich zu bewegen, und Videos, die zum Standbild tendieren. Foto und Film gehen in seiner Arbeit aufeinander zu, sie nähern sich aneinander an, während der Künstler sie zu ergründen sucht, von und mit ihnen lernt. Pfeifer ist ein Forschertyp, der sich Zeit lässt für seine Experimente, der in seinem Kreativ-Labor Lochkameras baut oder Apparate für 360-Grad-Aufnahmen, der aber auch raus geht und seltsame Orte aufspürt. Auch diese Orte entgehen nicht seinem analythischen Forscherdrang. Sie werden mit der Super-8-Kamera gescannt, in Filmstreifen aufgesplittert und gedoppelt, wie etwa in der Arbeit Space, oder sie werden mit der Einzelbildschaltung der Kamera dekonstruiert, wie in Deich.
Aus Orten, die schon in der Wirklichkeit merkwürdig arrangiert sind, schafft Pfeifer – Schüler von Boris Becker an der Kunsthochschule Bremen – neue Welten, indem er die Dinge im Sinne des Kubismus von allen Seiten erfasst und in einer gemeinsamen Ansicht neu zusammensetzt, auftürmt, vervielfältigt zu noch merkwürdigeren Fiktionen.
„Ein einzelnes Bild mit nur einem Klick herzustellen, das geht mir zu schnell“, sagt Claudio Pfeifer und verweist auf die fotografischen Collagen seines großen Vorbildes David Hockney. Er misstraut dem Schnellschuss und widersteht der Versuchung einer Massenproduktion von Bildern (die die verlockend leichte Bedienung des Auslösers begünstigt), indem er gewissenhaft die Orte auskundschaftet und für sie ein differenziertes Drehbuch mit allen notwendigen Einstellungen schreibt, das er Bild für Bild „abarbeitet“, um schließlich am Computer eine neue Realität zusammenzusetzen.
Das dauert gut sechs Wochen. Zeit genug, um sich auch über den Faktor Zeit Gedanken zu machen, die nicht zuletzt für die Betrachtung von Kunst eine wichtige Rolle spielt. Im Film ist die Dauer der Rezeption vom Künstler vorgegeben, vor einem Bild kann der Betrachter sie selber bestimmen. Claudio Pfeifer gelingt das Kunststück, beide Medien zu verschmelzen: ein Film als Bild, die Sequenzen als konstruktive Elemente, das Bauwerk als Reportage. Und jeder hat die Freiheit, die Vielzahl der Standpunkte in Nahsicht forschend nachzuvollziehen oder zurückzutreten und das Resultat als Ganzes zu goutieren.
Dr. Boris von Brauchitsch























