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Die Niederländerin Anoek Steketee, geboren 1974, arbeitete schon während ihrer Ausbildung zur Fotografin an der Royal Academy of Art The Hague für das Theater. An Schauspielhäusern erwartet die Dramaturgie in der Regel treffsichere Schnappschüsse, die den Fortgang der Handlung eines Stücks möglichst wirkungsvoll erfassen. Theaterfotografie, die darüber hinaus geht, die das beflissen Dokumentarische verlässt und eine Eigenständigkeit behauptet, indem sie einen Theaterabend in einem gültigen Bild verdichtet oder eigenwillig interpretiert, ist rar und auch von den Verantwortlichen an den Bühnen meist nicht wirklich erwünscht. So verwundert es nicht, dass eine ambitionierte Fotografin das Theater verlässt und die Grenzen zwischen Kunst und Leben auf der Straße erkundet. Was wäre dafür ein besserer Ort als die kubanische Hauptstadt mit ihrem Flair einer unwiderruflich schwindenden Ära, mit ihrer theatralen Wehmut, die allerorts gegenwärtig ist. In Havanna hat Anoek Steketee ihre Protagonisten angesprochen, ob sie bereit wären, für ein Standbild aus dem Film ihres Lebens oder ihrer Phantasie Modell zu stehen. Unübersehbar thematisieren die entstandenen Aufnahmen über das Genrehafte hinaus die fließende Grenze zwischen Realität und Erfindung. Auch wenn ihre Arbeiten natürlich an die subtilen metropolitanen Inszenierungen Philip-Lorca di Corcias erinnern, entwickelt Anoek Steketee einen am Theater geschulten poetischen Blick, der die Einheit von Ort, Zeit und Handlung zu behaupten vermag und eine eigenwillige Qualität entfaltet: Indem die Fotografin Fiktion und Realität zusammenzwingt, indem sie das Dokumentarische mit dem Poetischen ringen lässt, entwickeln die Aufnahmen eine außerordentliche Sprengkraft. Der Riss geht nicht nur durch die Ebenen des Bildes, sondern überträgt sich unmittelbar auf den Betrachter und stellt, durchaus drängend, Fragen nach der Inszenierung seines eigenen Daseins.
Dr. Boris von Brauchitsch
























