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Dialektik des Schweigens
 

Stimmungsvoll und minimalisiert, natürlich und doch vom Menschen beackert erscheinen die Landschaften von Anne Heinlein auf den ersten Blick. Herausragende Studien über das Wechselspiel von Welt und Umwelt, von Natur und Menschenwerk. Aber da ist noch mehr. Diese Bilder bergen ein Geheimnis hinter dem Frieden, den sie ausstrahlen. Es ist die Ruhe nach der Schlacht. Denn was Heinlein uns präsentiert, sind historische Schauplätze. Die Äcker, die heute für Aussaat und Ernte vorbereitet werden, waren einst Schlachtfelder des 2. Weltkriegs vor den östlichen Toren Berlins. So profan in der Gegenwart das Gedeihen der Kartoffeln, so profan war damals der Tod. Massenhaft und scheinbar bedeutungslos. Die Potsdamer Fotografin kultiviert in ihren Arbeiten eine Dialektik des fotografischen Blicks. Die Gegenläufigkeit der Bedeutungen eines klar umrissenen Raums wird in ihren Kampfzonen unmittelbar und mit höchster ästhetischer Kraft anschaulich. Sie sind streng komponierte gedankliche Freiräume und sie lassen, so Anne Heinlein, „den Betrachter die eigene Individualität spürbar werden, weil sie durch ihre Größe und scheinbare Leere einen Assoziationsraum schaffen.“ Orte, an denen man sich auch als Betrachter auf seine Individualität besinnen, sie verlieren – und auch wiederfinden kann.



Dr. Boris von Brauchitsch

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