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In Paris 1906 geboren, bei Berlin aufgewachsen, in Weimar und Dessau zum Bauhaus-Architekten ausgebildet, siedelte Andreas Feininger, der älteste Sohn des berühmten Malers Lionel Feininger, 1939 nach New York über, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. New York mit seinen Wolkenkratzern, den mächtigen Kais und riesigen Ozeandampfern, den unendlich langen Boulevards, Eisenbahn-Hochtrassen und tiefen Straßenschluchten bot seinem fotografischen und formexperimentellen Naturell einen perfekten motivischen Hintergrund. Andreas Feininger war weniger ein quirliger Fotoreporter mit schneller Kleinbildkamera als ein technisch versierter Perfektionist mit schwerer Fachkamera, fünfbeinigem Stativ und langen Belichtungszeiten. Als genialer Tüftler hatte er in jungen Jahren nicht nur einen schwenkbaren Vergrößerer aus Holz entwickelt, sondern auch ein enormes Teleobjektiv aus Kästen und einer 28-Zoll-Linse vom Flohmarkt gebaut. Insbesondere die langen Brennweiten ermöglichten es ihm in New York, selbst die höchsten Gebäude wie das Empire State Building perspektivisch unverzerrt und in ausgewogenem Größenverhältnis abzubilden. „Um so zu sehen, wie die Kamera sieht, muss ein Fotograf seine gesamten Sinne zum Schweigen bringen“, sagte er einmal, um deutlich zu machen, worauf es ihm bei der Fotografie ankam. Weniger die augenblickliche Stimmungslage beim Fotografieren entscheidet über das Bild, als jene Emotionen, die anschließend vom Bild selber ausgehen. Sie bestimmen den Grad der Perfektion und jenes Wesen, das ein gelungenes Bild unsterblich werden lässt. Feininger betrachtete die Fotografie fast wissenschaftlich, ohne in seinen Bildern je in Langeweile zu fallen. Ganz im Gegenteil, nicht nur seine formal perfekten Aufnahmen, sondern insbesondere auch seine Fachpublikationen und kreativen Handbücher erfreuten sich größter Beliebtheit. Was er beim täglichen Gebrauch der Kamera für das legendäre New Yorker Magazin „Life“ lernte, das gab er spannend und inspirierend weiter an den wissbegierigen Nachwuchs. Ein Starporträtist wie Peter Lindbergh sagte einmal, dass für ihn die Fotografie mit Feiningers Buch „Creative Photographer“ begonnen habe. Für Feininger war die Bildsprache der Fotografie die einzige Sprache, die überall in der Welt verstanden werden kann. Und so bestechen seine New York Bilder noch heute. Obwohl längst Klassiker, wirken sie noch immer wie frisch herauf geholt aus einer bestimmten Vergangenheit der Stadt. Wie Zeitmaschinen katapultieren sie den Betrachter zurück in weit zurück liegende Dekaden. Angesichts ihrer formvollendeten Schönheit wünscht man sich, die Zeit wäre bloß stehen geblieben. Seine Bilder, seine fototechnischen Erfindungen, seine lehrreichen Bücher und Reflexionen über Fotografie weisen Andreas Feininger als modernes Genie aus.
Stephan Reisner
























